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eines gewiſſen bärbariſchen Wortgemenges im Curialſtyl,
ſo wie in juriſtiſchen und kameraliſchen Ausdrücken :
- Vortheile , die uns geradezu als Nachtheile erſcheinen.
Daß ein ſchnelles Durchlaufen durch die unteren latei-
niſchen Claſſen keines Weges zu -dem Verſtehn meiſiens
'ganz unlateiniſcher, herkömmlicher Formeln und Kuſt?
ausdrücke führen wird, ſondern : daß dieß billig dem
bürgerlichen Leben überlaſſen bleibt, wohin es gehört,
wollen wir gar nicht erwähnen. . Aber wir meinen, daß
der gelehrte Unfug, der unſre edle Sprache mit ſo viel
ausländiſcheim Wuſt überſchüttet und verunreingigt hakt,
eben von jenen Halbgelehrten herrührt, die freylich
ängſtlici) beſorgt ſeyn müſſen, ihr weniges Wiſſen fo
viel als möglich geltend zu machen. Wie. gut wäre es
alſo, wenn der Halbgebildete von ſolchem Wortge-
menge, ſeinem ſogenannten Wort Latein, nichts
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ſchen Sprache hat als dte Lateiniſche. Auch kommt ſie unter allen
bekannten Sprachen in mehr als einer Rüsſicht'dem Jdeal einer
vollkommnen Sprache am nächſten, und iſt eben darym mehr
als eine andere geſchit, gleichſam der allgemeine Moßſtab
für die: Vollkommenheiten und Unvoilkommenheiten anderer
Sprachen zu werden, So wiedie Sachc jett jteht, iſt die Lateini-
ſche Sprache dieſer allgemeine Maßſtab, den wir bey Erlernung
und Beurtheilung avdrer Sprachen gebrauc;en, obwohl fie
offenbar wegen ihrer Unbiegjamfent, 1:19 weil ſie nicht für alle
'Arken der Begrifſe, vornehmlid für philojophiſche , ausgebils
'det genug iſt, ſich weit weniger dazu ſchi>kt als die Grieijhe.
- Indeß bey dem einmal dur<& Verjährung auctoriſirten Gang
der gelehrien Studien würde der Vorſchlag, fich): durch das
Studium der Griechiſchen Sprache zu dem der Lakemit&on vorzu:
bereiten, ſichnicht ohne große Schwierigkeiten auf den vFeintlichen
Unterricht anwenden laſſen u. |. w. * Gedike's geſammelte
Schulſchriften ,; Bd: 2. S, 167, fg. Es bleibt. eine erfreuliche
Erſcheinung , daß ſchon im Jahr 1791 ein gewiß nicht nach jol--
<hen Crundfäzen erzogener Schulmatin, der auch als Lehrer
ſelbſt eimen ganz andern Weg gehn mußte, mit ſo reiner und
unbefangener Wahrheitsliebe der guten Sache das Wort redete,
Wir. wünſchen allen jetzt lebenden Shuänännern deuielben
freyen Sinn, und wollen eine ſchon in unjern Blättern ers
zählte komiſche Erſ<einung entgegengeſetzter Art nict als
Vorbedeutung betrachten.
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