Full text: Zeitschrift für Philosophie und Pädagogik - 18.1911 (18)

 
 
 
 
 
 
AUFSÄTZE 
 
 
 
Goethes SPIiNnOZIiSMUS 
YVon 
Prof. Dr. G. Schneege - Breslau 
(Fortgetzung) 
Die Spinozaänßerungen 
Von den zugammenhängenden Spinozaberichten in Dichtung und 
Wahrheit unterscheide ich die Spinozaäußerungen Goethes d. h. die 
vereinzelten Äußerungen ungeres Dichters in Briefen, Tagebüchern, 
Annalen, die Spinoza Selbst nennen oder doch unverkennbar in Be- 
ziehung zu ihm Stehen. Wie verhalten Sich diese Äußerungen zu 
dem Hrgebnis der Spinozaberichte? Wir können zeitlich vier Teile 
unterscheiden, die Äußerungen der Jahre 1770--74, 1783-88, 1811 
bis 1813 und die letzten Äußerungen. Auffällig Sind die für eine 
bestimmende Eimwirkung auf Goethe, wie die ältere Forschung 81 
annahm, doch verhältnismäßig geringe Anzahl von Äußerungen und 
die langen ZwiSchenräume, in denen Spinoza überhaupt nicht erwähnt 
wird. Der erste und zweite Teil werden durch 10, der zweite und 
dritte Teil Sogar durch 23 Jahre voneinander getrennt; nach 1812 
verstummen die Äußerungen über Spinoza beinahe vollständig. 
1 In den Kphemeriden (1770) bedauerte Goethe noch, daß der 
Kmanationslehre, die er eine doctrina purisgima nennt, im Spinozi8mus 
ein iniquisSimum fratrem erwachgsen Sel.?) Er Stand also noch unter 
dem Banne des törichten Vorurteils gegen den »Atheisten«, wie er 
es m Bayles Wörterbuch fand. Der pantheistiSche ZuSammenhang 
zwiSchen Bruno und Spinoza war ihm, wie es Scheint, noch unbekannt. 
1) Bei Schöll (vergl. Anm. 9) S8. 104. 
Zeitschrift für Philosophie und Pädagogik. 18. Jahrgang, 33
	        

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