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| Begründet von (Georg von Cizycki.
Mit der Monatsbeilage „Kin derlands““, Blätter für ethiſ „Weltliche Schule“, (Mitteilungen des Deutſchen Bundes für weltliche Sc | Heraus8gegeben von
Dr. Rudolph Penzig.
Verlag: Verlag für ethiſ Die Verſendung erfolgt von Gottesberg.


AX ahrgang

Berlin, den 15. Oktober 1912
yer. 20



Nböruck iſt, [oweit nicßk ausSdrücklich unterſagt, nur mit vollſtändiger Quellenangabe zeſtattet.


Inhalt.
Arthur Pfungſt T.
I Eine Nobelſtiftung für unſer gemeinnüßiges Leben. Anregungen
und Gedanken von Dr. Ernſt Schulte (Hamburg-Großborſtel'.
Warum tötete ſich Nogt? Von A. vp. Berg.
ireiflichter :
Religiöſer Fortſchritt in oder außerhalb der Kirche.
Aus der Bibliothek Aſſurbanipals.
Büdceric Vermiſchtes.
Anzeigen und Mitteilungen.

Arthur Sfungſt +.
Einer ſchwereren Erſchütterung, als durch das plokß-
liche Dahinſcheiden diefes ausgezeichneten Mannes, ifi
unſer Glaube an einen Sinn und eine immanente BVer-
nunfti des Geſchehens noh kaum ausgeſekt worden. Wohl
hat der Tod ſelbſt einen tiefen, guten Sinn, Da wo er
Verbrauchte8 und Untüchtiges oder Leben8= und Wirkens-
Unfähiges bei Seite ſchafft, und keine perſönliche Her-
zenöSbeziehung zu ſeinem Opfer darf uns daran hindern,
hier ſeine Vernünftigkeit anzuerkennen. Aber wie brutal
und vernunftlo8 grinſt uns das tote Kräfteſpiel der rein
urſächlich bedingten Notwendigkeit an, das mitten aus
lebendigfiem Wirken, aus vollſter Kraft heraus eine Per-
ſönlichfeit reißt, von der nach allen Seiten hin Ströme
befruchtender Energie fließen, einen Mann, als Sohn und
Bruder in ſeiner lauteren Herzens8güte einfach unerſeß-
lich, als Jreund ein Muſter des feinſinnigſten HerzenZ-
tafte8, ein. Organiſator der induſtriellen Arbeit von un=
erſchöpflicher Tatkraft und Geſchiklichkeit, ein Arbeit-
geber für Tauſende von vorbildlichem und ſozialen Cm-
pfinden, ein Helfer und Förderer ungezählter Mitmen-
ſchen, ein weithin anerkannter Gelehrter, ein Dichter und
Schriftſteller von ſeltenen Gaben, ein von reinſtem Bür-
gerſinn erfüllter Arbeiter am Gemeinwohl, ein Philo-
ſoph und Menſchenfreund mit den höchſten Jdeaien, der
noch eine ſchier unendliche ſegenSreiche Leben3aufgabe vor
ſich gehabt Hätte! |
Wahrlich, man fängt an zu begreifen, wie gegen=-
über ſolchen und ähnlichen Ereigniſſen die Menſchheit
ſich nicht mit dem Gedanken der Unerforſchlic Wege Gottes beſänftigen ließ, ſondern neben das gute und
lebenſhaffende Prinzip das Phantom einer von Grund
aus böſen und vernichtenden Macht geſetßt hat!

Freilich, das bei allem Sharffinn doch unter der
gewaltigen Stirn ſo gütig blickende Antliß des WVerjtor-
benen würde nachſichtig lächeln bei dieſem Seufzer. Hatte
er doch in tiefgründigem Studium der Religionsgejhichle,
in8beſondere der indiſchen Götter- und Menſc längſt die menſ ſchaut, die in dieſe Erſcheinungswelt ihre kleinen Wün-
iche, Hoffnungen und Aengſte hineinträgt und ihren
phantaſtiſchen Einfällen Ewigkeit5wert zu verleihen wagi.
In einer feiner leßten Dichtungen, in die er ſeine G2-
danfenwelt mit feinen beſten Jdealen zu bergen pflegte,
legt er dem Tode8gott Yama die Erkenntnis in Den
Mund:
„Wa3 di< erſchre>t, ,
Die ganze Welt des Werden3 und Vergehens,
Die vielgeſtaltig ſi ins Dajein re>t
Im ſturmgepeitſchten Meere des Geſchehens, -- =-
Nur eine Maya iſt's, die hier dic) narrt,
Bi8 deine Geiſteskraft ſie überwand,
Ein Zauber, der der großen Stunde haxri,
In der du, zaubermädctig, ihn erkannt.“
Aber mit diefer erichütternden und leidvollen Cin=
ſicht in die Nichtigkeit der Erſheinungswelt iſi auch für
ihn nicht das lebte Wort geſprochen; ſiegreich erhebt 1icM
darüber der Gedanke der WeſenSeinheit von Ih und AU:
Wohl iſt das Sein ring3 um Dich her Dein Traum,
Ein Blendwerk die Geſtalten und die I(amen;
Do Drum laß Dein Trauern, hör' mir freudig zu:
Dein Sehnen nach der Wirklichkeit iſt heilbar,
Da8 All der Welt, urewig und unteilbar,
Unwandelbar da8 ganze Sein -- biſi Du!
Auf den Grund dieſer Leben8- und Weltanſchauung
hatte Arthur Pfungſt ſein Leben geſtellt; aber weit D=
von entfernt, nun auch den orientaliſc die tatenloſe Ruhe des über die Welt erhabenen Weijen
zur Schau zu tragen, verſchmolz er vielmehr abend=
ländiſche Tatkraft, leidenſhaftlihen Willen zur Durc-
ſezung de8 für re Kampfesluſt mit der inneren Hoheit, an Die nichts
Sc - Von Jugend auf troß ſeiner hervorragenden Gei-
ſte8gaben, die ihm das Lernen zum Spiel und Genuß
machten, an ernſte und anhaltende Arbeit gewöhnt, um-=
faßte ſein reger Geiſt auf Akademie und tehniſc

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