der pflegt die Zuvergicht zu haben, daß die anderen ihm zustimmen würden.
wenn Sie nur wirklich ein „Organ“ für den von ihm geSchauten und ge-
Schätzten Wert hätten.
Also auch „Sittliche“ Werte gibt es nur in Beziehung zu den in
allen menschlichen Gemeinschaften lebenden Schätzungen und Normen, die
wir „Sittlich“, „ethisch“, „moraliSch“ nennen. Ihr Gegenstand ist mensch-
liches Verhalten (Tun und Untiterlassen), Da alle Gemeinschaften ihr Le-
Den erhaiten und entfalten, d. h. es möglichst wert- und damit Sinnvoll ge-
Stalien wollen, So ist es verständlich (und die Untersuchung der verschie-
Jdensten Völker bestätigt das), daß Sie von den einzelnen ein Verhalten for-
dern, nach dem Grundsatz: „Gemeinnutz geht vor Eigennutz“. Das hat
vor aliem der ethische ÜUtilitarisSmus betont; ähnlich der Eudämonismus, der
die allgemeine „Wiohlfahrt“ als Sittlichen Maßstab für das Verhalten an-
Sieht, Da aber unter die Begriffe „Gemeinnutzen“ oder Wohlfahrt“, So
abstrakt Sie auch Sind, doch Schwertich alie Werte untergeordnet werden
kömien, SO würde ich als Prinzip meiner „Wert-Ethik“ lieber den Satz auf-
Stellen: Sittlich gut ist das Verhalten, das bestrebt ist, aus jeder gegebe-
nen Lage das bestmögliche zu machen, d. h. in ihr möglichst viel Wertvol-
ies (und möglichst wenig Unwert) zu verwirklichen.
Ein Solches Verhalten kann man „naturgemäß“ nennen, weil ja das
Streben nach Wertverwirklichung der eigentliche Grundzug der mensSch-
lichen Natur ist. Sofern es das (objektiv) Sittlich richtige Sein Soll, kann
man es auch als „vernunftgemäß“ charakterisieren; unter „Vernunft“ ver-
Steht man nämlich in der Regel die Fähigkeit, das „Richtige“ (das objektiv
Gültige) zu finden. |
Bei dem Suchen danach wird man die in der eigenen Volksgemein-
Schafi geltende „Moral“, ihre (inhaltlich bestimmten) Gebote und Verbote
berücksSichtigen müsSen; ferner den (formalen) „kategorischen Imperativ“
Kants, desSen Sinn iSt, man Solle prüfen, ob man die in AussSicht genomme2-
ne Verhaltungsweise auch als „allgemeines Gesetz“ wollen könne, So daß
auch Zz. B, die anderen gegen uns danach handeln, -- --
Indem wir So bedenken, daß das „Sittlich gute“, d. h. das jeweils
objektiv wertvollste Verhalten nicht einfach durch irgend eine; Autorität
unfehlbar bestimmt, Sondern von uns zu Suchen iSt, gehen wir zur Be-
trachtung der „Subjektiven“ Bedingungen des Sittlichen über, zunächst der
Erkenntnisgart des Sittlich Wertvollen. UnsSer eigenliches ErkenntniSsorgan
für Werte und ihren Rang ist Gefühl. Alles Denken und Einsehen des
Verstandes -- SO unentbehrlich es ist, um die wirkliche Lage, die Ziele,
Wege, Mittel und AussSichten unseres Handelns klar zu erfasSen --- Kann
ninSichtlich des eigentlichen Werts und Rangs unserer Ziele lediglich das,
was wir fühlen, uns klarer zum Bewußtsein bringen und in Wertur-
teilen formulieren,
Es iSt irrig zu meinen, das Geiühl; in dem wir etwas So durchaus
„Sübjektives“, ja das Innerlichste und Tiefste unseres Ich erblicken, Sei
nicht auch der ErfasSung des objektiv Gültigen fähig, Es gibt nicht nur
17