Monatsblatt für ethisch-Soziale Neugestaltung
ErScheia! am 15. ] - * von Georg V. Gizycki | Zu beziehen durch
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44. Jahrgang j Sertia, Novbr./Dezbr. 1936 | Nr. 11/12
Die SixtiniSche und HolbeinSche Madonna.
Von
--RaimundEberhard-
In Wilhelm von Kügelgens „Jugenderinnerungen eines alten Mannes“,
einem Buch, das mich auf meiner Lebensreise Seit meiner Jünglingszeit be-
gieitet hat, ist mir eine Szene besonders lieb gewesen. Sie Steht im Kapitel!
„die Russen“. Es handelt Sich um die Kogaken, die damals in der Napo120-
niSchen Zeit als Befreier nach Dresden kamen und jubelnd begrüßt wurden.
Fier wird geschildert, wie ein Kogak ins von Kügelgensche Zimmer tritt
und dort die herrliche vom Vater Kügelgen gema lte Kopie der SixtiniSchen
Madonna erblickt, Und nun heißt es:
„Als er das große Marienbild erblickte, bekreuzte er Sich Sogleich
und blieb mit aufgerisSenem Munde wie angenagelt an der „Für Stehen, Kkei-
nen Rlick von jenem Heiligtum. verwendend. -- Der (in der Familie ein-
quartierte ruSsSiSche) Offizier ersuchte meine Eltern in französiScher Spra-
che, dem armen Kerl, der noch nie in Seinem Leben ein S0 Schönes Bild ge-
Sehen, zu gesStatten, daß er näher hinzutrete ., . . Dann betrachtete der
Kosak das Bild mit größter Verwunderung und erbat Sich Schließlich die
Erlaubnis, auch einige Kameraden herbeizuführen. So dauerte es denn
nicht lange, daß ein ganzer Raufs von Kosaken mii ihren Schl2pnSäbein
die Treppe hinaufrasseliten. Sie nahten Sich dem Bilde aufs Ehrerbietigste,
warfen Sich auf die Knie. bekreuzten Sich und verrichteten ihre Andacht,
wie in der Kirche. Dann besprachen Sie Sich leise über das Wunderwerk .
und zogen Sich dankend mit vielen Ve "beugunzgen wieder zurück, Dasselb-
wiederholte Sich am gleichen Tage noch öfters.“
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