gensatz, wenn. man den Logos durch den Mythos ergänzen läßt. Was .
Kant fordert, ist nur kritische BeSinnung. Und was würden Menschen ohne
diese alles zusammenphantasSieren und dabei für Selbstverständliche Wahr-
heit halten? Jeder Denker Steht im Kampf mit naiven Vorurteilen und Irr-
tiimern. |
Ob es wirklich So ist, daß die Höherbewertung der Menschenge-
Schichte auf einer falschen GotteSidee beruht? „Gleichmäßig weise wal-
tet der Ewige in Sämtlichen Linien und Teilchen Seines Alls, mag es Sich
darum handeln, daß ein Weltreich zusammenbricht, oder Sich ein Mücklein
einen Flügel verstaucht“. Die Liebe aber. in der Bruno Wille die ErlöSung
Sucht, iSt jedenfalls MenSschensache, Menschenaufgabe. Wir können nichts
anderes als MenSschen Sein. Wären wir dies nur immer in edeistem Sinne
des Wortes! Dann möchten auch wir mit Bruno Wille glauben und hoffen,
daß hinter allem Weltgetriebe zuletzi ein großer Friede, und daß das Leid
die Quelle der WahrheitSserkenntnis und daß der Tod die Erneuerung des
Lebens Sei.
Graf Hermann AaySerlings
„Buch vom perSünlichen Leben“.
Von Profi. A. MesSer, GiesSen.
„vom vierzigsten Jahre ab kann nur der Oberflächliche, der Feige oder
Verlogene Sich verhehlen, daß der weitaus größte Teil dieses Lebens leid-
voll ist.“ Dieses Werturteil über das Leben -- das auszuSprechen Buddha
erst den Mut fand -- bildet für KaySerling nicht den Grund, Sich vom
Leben abzuwenden, Sondern tapferen und weltoffenen Sinnes bejaht er
das Leben, darin mit NietzsSche übereinstimmend, und er Sieht höchste
Menschenaufgabe darin, dem Leben Sinn zu verleihen durch Arbeit an
der Verwirklichung von Kulturwerten, zu oberst der Sittlichen. (Eben
das hat Sich auch mir als der „WeiSheit letzter Schluß“ ergeben!)
Das geistige Leben wird in Eniwicklung gehalten durch die Spannung
zwiSchen den Polen: Autorität der Gemeinschaft und Freiheitsdrang der
Individuen. In unserer Zeit, da das deuiSche Volk Sich von außen her
und zugleich durch wirtschaftliche Sorgen Schwer bedroht fühlt und alle
Kraft daran Setzt, Seine nationale Art und Seine politiSche Selbständigkeit
und Großmachtstellung zu Sichern, da ist es Seibstverständlich, daß die
Gemeinschatt, vertreten durch den mit höchster Autorität ausgesStatteten
Führer, StrafiSte ZuSsammenijasSSung der Volkskräite und weitestgekhende
Hingabe des einzelnen fordert. Aber wenn die geistlich-Sittliche GeSungheit
eines Kulturvolkes daran hängt, daß auch der andere Pol des GeisStes-
lebens „Freiheit des Individuums“ BerücksSichtigung finde, So bedeutet
es nicht unfruchtbare Verneinung, Sondern im Tiefsten wertvolle Er-
gzänzung der heute herrSchenden, aui das Ganze gerichteten Strömung,
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