wenn Kayserling . in Seinem Buche mit Wahrhaftigkeit und Mut darlegt,
wie der. einzelne zu Sittlicher PersSönlichkeit werden kann. Denn gerade
das Volk wird im Wettbewerb der Nationen. am besten bestehen, das mit
Vereinheitlichung durch Führung und Organigation zugleich die reichste
Fülle durchgebildeter und charakter voller PersSönlichkeiten vereint, die in
Freiheit von innen her mit der Volksgemeinschaft Sich verbunden fühlen
und ihr dienen. Und wie die politische Gleichschaltung, S0 muß auch die
gesteigerte TechniSierung und MechaniSierung der AußensSeite des Menschen-
lebens (die „nicht allein SchicksSal, Sondern auch zu begrüßen ist“) durch
Vertiefung und Steigerung des Persgönlichen ihr Gegengewichi finden.
Persönlichkeit im Sgeistig-Sittlichen Sinn des Wortes ist uns nicht
allein von Natur gegeben: Sie iSt eine Leitidee, an deren Verwirklichung
wir Stets zu arbeiten haben, indem unser freies, Schöpferisches, ver-
antwortliches Ich ringt mit der Welt, vor allem mit dem naturhaften Nicht-
Ich in uns Selbst, mit unSeren Gefühlen und Trieberi. . Indem 80 das Ich
das eigene naturgegebene Selbst und Seine Umweli im Lichte Sittlicher
Ideen wie Gerechtigkeit, Ehre, GenerogSität, Liebe zu gestalten Sucht,
befätigt es Sich „künstlerisch“ (im weitesten Sinne des Wortes). --
"KaySerling beschränkt Sich aber nicht darauf, das „persönliche Leben“
lediglich Seinem allgemeinen WesSen nach zu Schildern, er zeichnet viel-
mehr davon ein ganz konkretes Bild im Rahmen unszerer deutschen Gegen-
wart. Er wagt es dabei, freimütig manches .Unzeitgemäße“ zu Sagen,
aber gerade dadurch wirkt es „zeitgemäß“, nämlich zur Förderung von
Richtungen, die zum inneren Reichtum und zum Gesundsein deutscher Art
- mit ' dazu gehören.
So Sehr ich den Grundgedanken des Buches und Seiner bejahenden
Haltung gegenüber der großen Bewegung unseres Volkes beipflichten
kann, S0 wenig vermag. ich Seinen AnSichten in allem zuzustimmen. Schon
manches in dem 1. Kapitel „Gesundbeit“ erscheint mir Sehr anfechtbar
und für weniger gereifte Leser geradezu gefährlich; einen ernsthaiten
Gesundheitslehrer wie Bircher-Benner einfach mit Spott abtun zu wollen,
kommt mir Sehr unrecht vor. Meine weiteren Bedenken könnte ich eigent-
lich nur in einer fachphiloSophiSchen Zeitschriit näher darlegen, Ich will
Sie hier aber andeuten: Sie betreffen vor allem den Begriff der „Seele“;
er beschränkt ihn auf das Fühlen (was u. a. dazu führt, die Religion aus
dem Bereich der „Seele“ in den des Geistes zu verlegen!). Ferner redet
er, ähnlich wie Klages, von einem „Einbruch des Geistes“; wenn er im
Geist, dessen Begriff ziemlich unbestimmt bleibt, auch nicht den „ Wider-
Sacher“ der Seele Sieht, SO erScheint mir jene Annahme eines „Einbruchs“
doch als phantastiSch und unvereinbar mit der Einheit der PerSönlichkeit.
Das Wegen „formaler Ethik“, das Schon Kant erfaßt hat, Scheint ihm noch
fern zu liegen, Sonst könnte er nicht behaupten, daß der MensSch nicht
Selten „Böses“ tun „müsse“!
. 3) Stuttgart, Deutsche Verlagsanstalt 1936. 687 S. geb. 10 RM,
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