Full text: Deutsche Zeitung für die Jugend und ihre Freunde, oder moralische Schilderungen der Menschen, Sitten und Staaten unsrer Zeit - 3.1786 (3)

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„Wie ſie vorher geweſeu ſind. 
„Geſtaite nicht den Dörfern Rechte, 
„Die nur den Bürgern eigen ſind. = | 
„„ = Zunft =- Handelichaft =- mit all'n Gewerben 
„ſt ja zu unſerm grdßt'n Berderben 
-/ Auf jedem Dorf ſchier angebracht. 
- „Obgleich ein jeder Zunfrbrief lehrt: 
„Daß dieſes nicht aufs Land gehört, =- 
„ -- Laß unſre Bitten Div gefallen : 
„Schaffj Recht -- Gerechtigteit uns als 
lten! „.. 
Ich denke dieſer Einfall iſt nicht übel, 
und es kann die beſten Folgen haben, 
wenn treue und fſeißige Unterthanen ei- 
nem ſo landesväterlich geſinnten RNegen- 
ten, wie der unſrige iſt, ihre Noth ſo 
freymüthig vortragen. =- Der Schluß 
der gedruckten Heſchreibung der bey 
dieſer Gelegenheit atigeſtellten FSeper- 
limkeiren lautet ſo: „In beſter und 
„vor Bürger auſtändiger Ordnung 
„Fieng die Bürgerſchaft auseinander, 
„and genoſſen in den angewieſenen Häu- 
„ſern ihr hohtnnäditſt verwilligqtes 
„=“ Dier -- in der größten Zufrieden- 
„heit, und beſchloſſen dieſen Tag, der 
„unvergeßlich iſt, mit Freuden,“ 
Dermiſchte Ytachricteinn - | 
= -- Bey Danzig wohnt in einigen 
Gegenden an der Weichſel eine Gattung 
von Leuten, welche die Armuth in einer grdſ? 
ſern Roheit und Unſittlichfeit erhält, als 
man es itt unſern Tagen glauben ſollte, 
Ihre Kinder wachſen faſt ganz ohne Untex/ 
Licht auf, und ſv bald ein Bube ſiark ge! 
nug iſt, das Ruder zu führen, giebt ihm 
dex Vater ein Book, mit dem er fich zu näh/ 
ven ſuchen muß, ehe ex kaum. weiß, wer 
ihn erſchaffen hat, Daher es denn kommt, 
daß ſvlc<e Leute das LI«ahren , und wenn 
fie glücklich ſind , das Wohileben, für den 
einzigen Zweck des Lebens halten; wie es 
wohl auch von manchen feinern Leuten ge/ 
ſchieht , die ſich king dabey dünken. Eine 
Hieſige Magiſixatsperſon exbarmite ſich die 
:'Maen. 
"beſſer und heiler auf unſerm Planeten , und 
lich ausgearbeitet ik. 
„verſchiedene Bilder aus der 
ſex aymen keute, und gab jährlich einer An. 
zahl ihr Kinder Schulbücher Ns andere Ge 
ſvenfe, um ſie zum Schulgehen anzurei- 
ßen: und da eine gute Thak gemeiniglich 
mehrere nach ſich zieht ; fo wurde durch die/ 
ſes ſchöne Beyſpiel ein Koufmann , Hery 
Danei CoeFf bewogen, der Kirche, wo jene 
armen Leute eingepfarrt ſind , ein Capital 
vd 6000 ſl. zu eben dieſex Abſicht zu ver- 
So tvird es doch immer etwas 
er mag Prophet Ziehen zum Trotz auf dem 
Wege , wo er jetzt iſt, immer noch eine 
Weile ſort traben! =- --- Ziep iſt ſeit dem 
1fſten Advent Sonntage vörigen Jahrs in 
der Reforimirten Kirche ein neues Geſang? 
buch eingeführt worden , welches vortref, 
arbe Alle jädiſche und an- 
ders der Religion Jeſu unangemeſſene Aus- 
drücke ſind weg geblieben, die Pſalmen ſind 
ſchr umgeändert, und die meiſten Gellerts 
ſchen Lieder, welche noch in manchen lurhes- 
riſchen Geſangbüchern fehlen , haben einen 
Plaßz in dieſer Sammlung gefunden, - Die 
reformirte Gemeine kann dieſe wichtige Ver. 
beſſerung der dſfentlichen Andacht ihrem 
würdigen erſten Prediger nicht genug ver; 
dankten. Deffent! . | 
-- == Deſſentliche Blätter melden, da 
Hr. Abt Dogger, als ex am Cectlietzfejite 8 
Amſterdam ſeinen wunderlichen Geſchmack 
auf der Drgel ſehen ließ , und ganze Con- 
certe mit allen Inſtvumenten , den Helden 
tod Herzog Leopolds von Braunſchweig, 
; | Düſſeldorfer 
Gallerie, z.B, den Charlatan, auf der Or/ 
gel ſpielte , einen ſo großen Zulauf gehabt 
„Habe, daß in anderthalb Tagen-5000 Bil 
lets verfauft wurden , die Billets von 1 bis 
auf 7 fl. ſtiegen, und 1500 mit Billets ab/ 
gewieſen wurden : weil 20000 Menſchen und 
1000 Kutſchen die Kirche umringten, wobey 
20 Kutſchen zerbrochen und Hüthe, Hauben, 
Schuhe und Perücken verloren und Kleidex 
zerriſſen worden. Faſt ſcheint es, als wenn 
Thorheit und Fünſieley auch in dieſem Jahr- 
hundert noh beſſere Handelsartikel wären, 
ais Weisheit und wahre Kunſt« | 
' emwan - aap
	        

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