Full text: Deutsche Zeitung für die Jugend und ihre Freunde, oder moralische Schilderungen der Menschen, Sitten und Staaten unsrer Zeit - 3.1786 (3)

-“ "= == 4y LThaumburt hat das 
hochwürdige Domcapitel vor furzem 
durch öffentlichen Anſchlag den Armen 
erlaubt, in denen ihm gehörigen Wal? 
dungen Spähne und abgeſallenes Holz 
zu ſammeln, um bey der Kälte nicht zu 
ſehr frieren zu müſſen ; nur folien fie 
das grüne Holz nicht beſchädigen, wie 
es auch billig iſt. Dagegen hat ein 
adlicher Gutsbeſißer, deſſen Holzung 
hier und da an das Capitelholz au- 
grenzt, ſeinen Unterthanen bey Ge- 
fängniß - Strafe verboten, auch nicht 
einmahl dürres taub auf ſeinem Grund 
und Boden zu ſammeln ; ſie mögen frie- 
ven oder nicht. Weil nun die Gren- 
zen nicht überall ſichtbar ſind: ſo wa- 
ren ain 7ten Febr. einige Naumburger 
Arme hinüber gerathen, und ein Bauer 
zeigte es am Da ließ der Herr 15 
Mann aufbieten, dieſe armen Leute ein- 
zuſangen: ſie ließen ſich aber nicht fan 
gen. == == In Leipzig arbeitet der 
würdige Hr. Dr. und Superintendent 
Roſenmüller nun ſchon wirklich an ei- 
nem neuen und verbeſſerten Geſantt- 
buche , (m; ſ. das 8te St, S, 68.) 
welches mit höchſter :Bewilligung und 
gewiß zur Freude der ganzen Stadtund 
Didsces eingeführt werden foll. == 
Thüringen, den 15. März. 
Ich habe hier eine Entdeckung ge? 
macht, die Sie freuen wird. Es iſt 
doch befanntlich eine Haupturſache des 
Verfalls mancher braven und auch fleiſ? 
») Die nächſte obrigfeitliche Perſon des Dorfs 
herrſchaftliche Gefällen ein, 
%%) Maſs 2. B+ S, 123; 
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ſigen und ordentlichen Battetsleute, daß 
ſie nicht auf einen Nothpfennig halten 
und daher zu gewiſſen Zeiten nicht im 
Stande ſind, die herrſchaftl. Steuern 
und Gaben abzutragen. Sie verſchie- 
ben es alsdenn bis nach der Erndte, 
werden unterdeſſen exequirt, müſſen Exe? 
cutionsgebühren bezahlen , und gerä; 
then ſo immer tiefer hinein, bis ſie, 
wenn eitt oder etliche ſchlechte Jahre 
dazu kommen, endlich bey aller ihrer 
ſauren Arbeit zu Grunde gehen. Die- 
ſem Uebel hat der brave Schulze des 
ſchwarzburgiſchen Dorfs Hodenheili? 
gen im Amt Ebeleben, dadurch abge- 
holfen, daß er ſich vom Zeimbürgen*) 
die Reſtanten anzeigen läßt, und ihnen 
aus ſeinen eignen Mitteln, womit ihn 
Gott geſegnet hat, die Steuern vor? 
ſchießt. Der Exequier hat alſo in die- 
ſem Dorfe nichts zu thun. Freylich 
werden nun die Mitnachbatn des bra- 
ven Schulzen ja dafür ſorgen, daß er 
gleich nach der Erndte ſeinen Borſchuß 
richtig wieder bekomme; damit ſie ihn 
nicht verdrießlich machen. So eben 
höre ich auch, daß zwey Gutsbeſiker 
in der Nachbarſchaft beſchloſſen habeuy, 
ſich eben dieſes Verdienſt um die 2and- 
leute ihres Drts zu machen ; welches 
ihnen Gott vergelte! 
Berlin , den 11. März. 
Durch eine vom königl. General- 
Directorium**) pablicirteVerordnung 
ſind die Nahmen der fleißigen andige 
ngs dem Schulzen. Ex ninmit geweiniglich die
	        

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