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leptiker werden eigene Krziehungsanstalten unter ärztlicher Oberleitung, am besten
in Waldreicher mittlerer Höhenlage (500--800 m), gefordert. Bis zu deren Schaffung
empfiehlt Binswanger die Unterbringung wohlhabenderer Jugendlicher in geeigneten
Landpfarrhäusern unter Stetiger ärztlicher Kontrolle und unter der VoraussSetzung
pädagogischer Durchbildung auf Seiten des Pfarrers. -- Die weitere Erörterung der
therapeutischen Fragen, inSbeSondere die medikamentöse und die operative Beband-
Jung, fällt natürlich in reim medizinisches Gebiet.
Dieser kurze Überblick über den Inhalt der Monographie kann und Soll natür-
lich nur anregende Bedeutung haben: möchten aus den Kreisen der Heilpädagogen
-- denn für die Psychiater und Kinderärzte bedarf es an dieser Stelle kaum eines
besonderen Tinweises mehr -- recht viele diese treffliche, klar geschriebene Dar-
stellung in die Hand nehmen zu eingehendem Studium.
Jena. Karl Wilker.
Classen, Walther, Zucht und Freiheit. Ein Wegweiser für die deutsche
Jugendpflege. München, GC. H. Beck (Oskar Beck), 1914. XIII und 220 Seiten.
Preis gebunden 2,80 Mark.
Man kennt den VerfasSer aus Seiner Arbeit an der Hamburger Jugend, aus
Semen Lehrlings- und Gehilfenvereinen, aus deren Leben auch dieses ganze Büch-
lein geschöpft ist. Aber es gibt nicht trockene Anweisgungen, wie man das und das
zu machen hat. ES zeigt, wie Walther ClasSen es gemacht hat, wie er's ver-
kehrt gemacht und wie er"s richtig gemacht hat. Dadurch wird es dem Leser mehr
als ein bloßer Ratgeber. Es wird ihm die PersSönlichkeit wertvoll und interessant,
die hinter dem allen Steht. Und wenn man auch bei Classens mehr theoretischen
Ausführungen oftmals einen Reiz empfindet, zu widersprechen, 80 macht das einem
das Buch eigentlich nur noch lieber. Besondere Freude wird man aber an all dem
erleben, was an politischen Gedanken in diesem Buche steckt, um 80 mehr Jetzt in
diesen Zeiten des gioßen Völkerkrieges. Doch das ist Schließlich etwas, was den
Kinderforscher als Solchen kaum angeht. Daß das Buch -- bis auf einen kurzen
Abschnitt -- nur von der Pflege der männhchen Jugend hardelt, ist begründet in
ClasSens Arbeit, die Sich ja vorwiegend, wenn nicht ganz, auf diese beschränkt,
und in Seiner Auffassung von der Pflege der SchulentlasSenen Mädchen als einer
(allerdings Sehr wichtigen) Aufgabe der Frauen.
Jena. Karl Wilker.
Neter, Eugen, Das einzige Kind und Seine Erziehung. 5. und G. ver-
mehrte Auflage, München, Otto Gmelin, 1914. 76 Seiten. Preis geheftet
1,40 Mark, gebunden 2,20 Mark.
In gewisSer Weise hat Neter mit diesgem Büchlein die Anregung gegeben,
dem einzizen Kinde erhöhte AufmerksSamkeit zu Schenken. Er wollte keine wissen-
Schaftliche Aufgabe damit erfüllen. Kr nannte Seine Schrift im Untertitel »ein
ernstes Mahnwort an Kiltern und Erzieher«. Und als Solches Soll Sie hier in dieser
neuen, bedeutend vermehrten Auflage nachdrücklich empfohlen werden, Das 1st
um Sv nötiger, als tatSächlich das einzige Kind noch immer zu den bedauerlichen
KrScheimnungen der Neuzeit gehört. Den meisten Menschen, vor alJlem den meisten
Eltern einziger Kinder, mag es kaum auffallen, daß die armen Geschöpfe ihrem
AlleibpSein eine ganze Menge von Charaktereigentümlicakeiten zu verdanken haben.
Natürlich Sind Sie nicht immer und nicht immer alle da. Aber bei genauem Be-
obachten wird man doch Neters Charakteristiken kaum widersprechen können. Die
im zweiten Teil gebutenen medizinisch-pädagogischen Ratschläge kann man nur gut-
heißen und zur Beachtung empfehlen.
Wir wollen bei dieser Gelegenheit auf einige weitere Schriften des gleichen
Verifasse1s aus demselben Verlag hinweisen, die eimzeln zu besprechen uns hier zu
weit führen würde, die aber alle für das KElternbaus bestimmt und nicht genug zu
empfehlen Sind. Sie Sollten in der Bücherei jeder Mutter zu finden Sein! Wir
meinen:
Elternbriefe über Kinderpflege und Krziehung. 1911. 92 Seiten. Preis
1 Mark, gebunden 1,50 Mark.
Sorgen und Fragen in der Kinderpflege. 1910. 91 Zeiten. Preis 1] Mark,
gebunden 1,50 Mark.