480 D. Literatur.
Daß über einzelne Probleme andere AuffasSungen möglich gind, ist Selbst-
verständlich, braucht hier aber nicht näher nachgewiesen zu werden. Jedenfalls
bietet das Buch eine ganz vortreffliche Einführung, die hoffentlich in den Kreisen
der Pädagogen, und nicht nur der Heilpädagogen, die gebührende Berückgichtigung
findet,
Wüngoehenswert wäre für spätere Auflagen vielleicht ein Sachregister und
auch eine Zugammer.Stellung einiger Schriften, die zum weiteren Finarbeiten in das
behandelte Gebiet förderlich Sind.
Jena. Karl Wilker,
Redlich, E., und Lazar, E., Über kindliche Selbstmörder. (Heft 3 der
zwanglosen Abhandlungen aus den Grenzgebieten der Pädagogik und Medizin,
herausgegeben von' Th. Heller-Wien und G. Leubuscher-Meiningen.) Berlin,
Julius Springer, 1914. IV und 90 Seiten Preis 2,40 Mark,
»Psychiatrisch unterguchte Fälle von Kinderselbstmorden gibt es eigentlich in
der Literatur gar nicht,« meinen die Verfasser auf 3. 20 ihres Buches. Und mit
dieger Absicht baben gie recht. In gewisger Weise füllt also ihr Buch eine Lücke
aus, indem es eine, wenn auch kleine (9), Anzahl von Fällen kindlicher Selbstmorde
eingehend untergucht und Kkaguistisch verarbeitet. Im wegentlichen Sind nur Selbst-
morde von Kindern bis zu 14 Jahren berücksichtigt worden. Linige Zahlen ornen-
tieren über die bisherigen Untersuchungen; doch ist gerade diegser Teil der Arbeit
Dur lückenhaft, wenn auch der Wert der daran angeknüptten Betrachtungen nicht
verkannt werden darf Schließlich kam es ja auch nicht darauf an, die Literatur
VM ein neues zZuSammenfassendes Opus zu bereichern, Sondern vor allem darauf,
vom medizinischen (psychiatrischen) Gesichtspunkt aus die kindlichen Selbstmorde
zu betrachtevr. Und in dieser Hingicht bietet die kleine Studie wohl wertvolles
neues Material, das namevptlich allen denen entgegengehalten werden =ollte, die mit
der unbewiesenen Anschuldigung der Schule oder der Familie die Öffentlichkeit für
ihre jeweiligen »pädagogischen iIdeen« zu gewinnen bemüht gind.
Jena, Karl Wilker.
Bohn, Georges, Die neue Tierpsychologie. Autorisierte deutsche Über-
Setzung von Dr. Rose Thesing. Leipzig, Verlag von Veit & Co., 1912.
Die Tierpsychologie ist durchaus nichts Fertiges, nur bescheidene Anfänge
Sind vorhanden, aber zukünftige Erfolge Sind vorauszusehen. Wegentlhich ist, daß
man von alten Streitereien absight und die Kräfte für die Yorschungen Spart. Ob
Tiere »Bewußtsein« begitzen, bleibt außer Betracht, denn Solche Fragen lasgen Sich
WwisSenschaftlich gar nicht beantworten. Auch Begriffe wie » Willen« und »Nach-
ahmung« werden grundsätzlich vermieden. »Instinkte« Sind Aggregate ver-
Schiedenster Tätigkeiten und müssen stets in ihre einfachen Komponenten zerlegt
werden. Gegetze 8ind bereits gefunden für die Tropismen, die Unterschiedsemptind-
lichkeit und die ASsSoziation bei Gliedertieren. Bei Säugetieren, die mit Großhirn-
rinde ausgestattet Sind, treten Kompliziertere Vorgänge auf, aber gie Sind Geselzen
unterworfen. Man Spricht hier Schon von Intelligenz.
Bohn zeigt das Bestreben, die pSychologischen Vorgänge auf biologische zu-
rückzuführen und betrachtet die pSychologiSchen und biologiSchen Probleme vom
Gesichtspunkt der physikalischen Chemie aus. Die finalistische ErkJärungsweis8
wird durch Kkaugale ersetzt; das Selektionsprinzip wird bekämpft.
München. EBgenberger.
Eingegangene Literatur.
»Kinderstudie«:, Paedologische Bladen, onder Redaktie van het Bestuur van het
Amsterdamsch paedologisch Gezeilschap: Dr. G. A. M. van Wayenburg, Dr. J.
H. Gunning, Wza. G. M. Soeters, W. H. Ten BSeldam, Prof. Dr. K. Herman
Bouman, YF, J. van der Molen, 1916 Februar, Deek 1, Aflevering 1, .Redaktie-
Sekrotaris: W. H. Ten Seldam. Uitgever J. Ploegsma, Zwolle.
Druck yon Hermann Boyer & Söhne (Boyer: & Mann) in Langensalza.