Full text: Zeitschrift für Kinderforschung - 34.1928 (34)

ß A. Bugemann: 
Sondern auch Solche anderweitiger milieubedingter Art. Wenn wir 
die Beziehungen des Kindes zu Seiner elterlichen Familie und die 
Abhängigkeit Seiner individuellen Artung von der begonderen 
Struktur diesger FVamilie unterguchen wollen, mügSen wir also ein 
Beobachtungsmaterial wählen, in das gegengätzliche Soziale, ÖKO- 
nNnOomiSche, geistige, rasgische und Sonstige außerfamiliale Einflüsse 
möglichst wenig hineginspielen. Vergleichen wir kinderreiche Fa- 
milien mit kinderarmen, geschwisterreiche Kinder mil geschwister- 
armen, 80 werden wir nur dann typische Unterschiede der Familien- 
Struktur bezw. familial bedingter Individualität finden, wenn die 
verglichenen Familien in allen anderen Beziehungen, z. B. im Grade 
des Wohlstands, der Bildung, einander gleich oder doch möglichst 
ähnlich Sind. Irreführend wäre es z. B., geschwisterreiche Kinder 
des Proletariats mit geschwisterarmen der höchsten intellektuellen 
Schicht zu vergleichen; Unterschiede des Charakters, die wir da 
fänden, würden vermutlich mehr der Vergschiedenheit des 80zial- 
ökonomischen und kulturellen Niveaus zur Last fallen als der Ver- 
Schiedenheit der Familienstruktur. 
Ein in außerfamilialer Hingicht ganz gleichförmiges Milieu 
wird man freilich nie für eine genügend große Zahl von Kindern 
finden, wir müssen zufrieden Sein, unser Vergleichsmaterial einer 
wenigstens ungefähr gleichartigen Bevölkerungsschicht zu ent- 
nehmen. Als Solche eignet Sich derjenige Kreis von Familien, der 
Seine Kinder in mittelstädtische Mittelschulen Schickt. Unger 
Material wurde darum in den beiden Mittelschulen (Knaben- 
Mittelschule und Mädchen-Mittelschule) in Greifswald ge- 
Sammelt. Die Möglichkeit Solcher Sammlung danke ich der Lie- 
benswürdigkeit und dem Verständnis der Lebhrerkollegien dieser 
Anstalten, der beiden leitenden Rektoren, der Herren Waechter 
und Steinke, und des zuständigen Schulrats Herrn Dr. Eggers. 
Bs ist mir eine angenehme Pflicht, allen Beteiligten für ihre freund- 
liche Hilfe auch an dieser Stelle herzlichen Dank zu Sagen. 
Die Greifswalder Mittelschulen (in Betracht kamen im ganzen 
rund 400 Schüler und Schülerinnen im Alter von 10-17 Jahren) 
erheben ein Jährliches Schulgeld von 100,-- RM, nehmen aber eine 
begrenzte Zahl unbemittelter begabter Kinder in Preistellen auf. 
Infolgedessgen rekrutiert Sich die Schülerschaft aus einer ziemlich 
Scharf umgrenzten Bevölkerungsschicht. Nach oben hin ergibt ich 
die Grenze aus dem Umstande, daß die Mittelschulen keine Mög- 
lichkeit bieten, die zum Besuch von Hochschulen notwendige Reife- 
prüfung abzulegen. Sie Stehen also, wie auch ihr Name andeutet,
	        

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