Full text: Zeitschrift für Kinderforschung - 34.1928 (34)

108 W. Cimbal: 
Tag verschaffen. Im Augenblick der Tat waren Sie ertappt 
worden. Angst, Wut und Ratlogigkeit hatten ihnen die Mordwalfie 
in die Hand gedrückt und 8ie Schlugen hemmungslos auf das Opfer 
ein, nicht auf Grund eines persönlichen Zornes oder Hasgses, Sondern 
weil ihnen jede Achtung vor dem Leben eben infolge der mangelin- 
den Auſfwühlbarkeit fehlte. 
Mangel an Aufwühlbarkeit, motorische Erregbarkeit und affek- 
tive Leidenschaftlichkeit Sind biologisch gleichgeartete Vorgänge. 
Die Aufiwühlbarkeit ist der Sensorische Vorgang im HEBrleben, die 
Affekterregbarkeit der vegetative und die Tatbereitschaft der 
motorische. Es ist eine Erfahrungstatsache, daß die Sengorische 
Krlebensbereitschaft zur motorischen Hemmung führt, und dort wo 
SIe fehlt, die motorischen und vegetativen Reaktionen exXPplogions- 
bereit werden. Die körperlichen Urgachen der mangelnden Auf- 
wühlbarkeit als Strukturgrundlage der Verwahrlogung 8ind in einem 
früheren Abschnitt geschildert worden. Wo bei Solchen Gewalt- 
handlungen gleichgültige VYerstocktheit beobachtet wird bei gleich- 
zeitiger Steigerung der vSehnenreflexe und der Pulsdruckamplitude, 
kanm der vorstehend geschilderte Mechanisemus angenommen 
werden. Die Reizung zu Gewalthandlungen entsteht also fast rein 
körperlich durch das ZuSammentreffen verschiedener fehlerhafter 
Entwicklungsvorgänge, dadurch Sekundär die mangelnde Sensibili- 
SIerung des Empfindungssystems, ferner durch gleichzeitige Affekt- 
Steigerung des vegetativen SyStems. 
Die jugendliche Prostitution hat mit der Progtitution der Er- 
wachsenen fast keinen Punkt gemeingam. Die Prostitution der 
Erwachgenen Stellt ein Verwahrlogungsgewerbe dar, bei dem die 
Gewerbetreibenden eine berufsmäßige, geschlosgene Welt- 
anschauung haben, während die Opfer des Gewerbes Verwahrloste 
Sind. Die jugendliche Prostitution ist dagegen gelbst eine typische 
Verwahrlogungsform mit höchst komplizierten, fast durchweg neu- 
rotischen Seelischen Vorgängen. | 
Wir unterscheiden etwa 9 Typen weiblicher jugendlicher 
Prostituierter und etwa 4--5 Gruppen männlicher Progtituierter: 
männliche: 
Schwachsinnig beeinflußbare Typen, 
Prühreifer Typ, 
Entgleister Typ, 
Berufsmäßige Lustboys, 
Kehte Pervergität,
	        

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