Full text: Zeitschrift für Kinderforschung - 34.1928 (34)

Die Struktur der Verwahrlogung, 109 
weibliche: 
Schwachgsinnig haltlose Formen, 
Kindlich unüberlegter Typus, 
Neugierigkeitstypen: 
Tanzmädeltypus, 
Sinnlichkeitstypus, 
Hörigkeitstypus, 
Diabolischer Typus, 
Primitiv lesSbische Typen, 
Rauschhungertypus. 
Diese Typen bedeuten jedoch nichts weiter wie ganz äußer- 
liche Erscheinungsformen der Abnormisierung. Will man die Ent- 
wicklung der Jugendlichen Verwahrlosung zur Prostitution ver- 
Stehen, dann darf man nicht von dem Gedanken ausgehen, daß das 
„unschuldige“ Kind einen besonders weiten und Schrecklichen Weg 
zurückzulegen habe, um bis zur Prostitution zu gelangen. Das i1st 
Selbstverständlich unrichtig. Geschlechtliche Betätigung ist in den 
EntwicklungsjJahren Sicher häufiger als geschlechtliche Entbhaltsam- 
keit. Freilich ist es noch ein weiter Weg von der Selbstbefriedigung 
oder den Sexuellen Spielereien mit Gleichalterigen zur jugendlichen 
Progtitution. Aber das Hemmnis auf dieszem Weg ist fast aus- 
Schließlich das Schamgefühl. 
Das Schamgefühl fehlt, wo die Aufwühlbarkeit nicht zustande 
gekommen ist. Beschränkte oder derbe Knaben gehen mit einer 
ebenso vollständigen Gleichgültigkeit von der Onanie zur gleichB- 
geschlechtlichen Betätigung über, etwa wie Sie vom Naschen im 
elterlichen Hausgbalt zu Einbruchsdiebstählen übergehen. Es ge- 
nügt eine relativ oberflächliche Verwahrlogungsbereitschaft, um die 
der Verführung durch Ältere entgegenstehende Hemmung fallen zu 
lassen. Ebenso gleichgültig werden die Beziehungen wieder auf- 
gegeben. Allenfalls bedauert der Knabe den Wegfall der Näsche- 
reien und Vergnügungen, die ihm als Entgelt für die Hingabe ge- 
boten worden Sind. 
Noch geringer ist der innere Kampf beim Übergang Jjugend- 
licher Mädchen in die heterogexuelle Prostitution. Keinesfalls darf 
man bei Jugendlichen etwa an Schwere Seelische Kämpfe denken, 
wie gie vielleicht die erwachgene Frau haben mag, ehe 8ie in die 
Progtitution absinkt. Das Sittliche Prinzip des erwaächsenen ge- 
werbstätigen Menschen, für körperliche oder 8eelische Hingabe Kein 
wirtschattliches Entgelt zu nehmen, ist beim Kinde nicht vor- 
handen. Die Reinlichkeitsregel, die dem Mädchen im Elternhaus
	        

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