Volltext: Zeitschrift für Kinderforschung - 34.1928 (34)

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im allgemeinen mitgegeben wird, ist entweder eine Erziehungs- 
gewöhnung oder ein elterliches Verbot, ähnlich wie das Verbot des 
Naschens, wie die Pflicht, abends rechtzeitig im Haus zu gein, mit 
bestimmten Freundinnen nicht auszugehen, bestimmte Lokale oder 
Straßen nicht zu betreten. 
Die Autoritätsabwehr getzt aus Gründen Dhysiologischer INNGP- 
Seelischer Entwicklung Spätestens mit dem 13. Lebensjahr ein. vie 
iSt in der Mitte der EntwicklungsJahre im Seelenleben des Jugend- 
lichen abgeschlossen. Bei den Geordneten tritt die Schüle an die 
Stelle des autoritätslosen Eilternhauses. Bei Ungeordneten werden 
es ältere Freunde, Verführer oder irgendwelche geheimen Mit- 
erzieher, deren Autorität der Jugendliche nun hörig wird. Es gibt 
also Wege zur Progstitution, bei denen der Verführer dem Mädchen 
INDCPPSYCHISCh an die Stelle des Vaters im Sinne des Üdipus- 
komplexes tritt. Der Lebensunterbalt wird dann ebenso unbefangen 
hingenommen, wie er von den Kltern hingenommen worden ist. 
Die körperliche Hingabe erfolgt gleichgültig oder 80gar in einem 
gewissen Zärtlichkeitsgefühl, das dem Dank für das freiere und 
Sorglogere Leben oder einfach dem Üdipuskomplex entspringt. 
oStarke Leidenschaft ist in Solchen Situationen äußerst Selten. Die 
innere Struktur des Sich progstituierenden Mädchens dieser Hörig- 
keitstypen leidet kaum nennenswert, wenn es nicht zufällig von 
dem Mann, der Sie gewonnen hat, im Sinne des Zuhältertums miß- 
braucht wird. | 
Der Übergang vom Hörigkeitstypus zu dem Neugiertypus, dem 
Tanzmädchentyp und dem rein kindlich unüberlegten Typ, stellt 
nur Varianten eines Im wegentlichen gleichartigen Vorganges dar, 
An Stelle des im Ödipuskomplex verankerten einzigen Mannes, dem 
das Kind Sich gegen den Unterhalt hingibt, tritt die Vielheit und 
der Genuß des Augenblicks. Und zwar ist dieser Übergang um 80 
hemmungsloser und gleichgültiger, je Stärker die Aufwühlbarkeit 
iehlt. Die Sexuelle Betätigung ist dann nicht wie beim Hörigkeits- 
typ eine erotische, Sondern wird allmählich zur rein Sexuellen 
Sinnlichkeit. 
Dieser Prozeß steht an der Grenze der neurotischen Verwahr- 
JoSung mit der einfachen Kulturlogigkeit. Wenigstens die Tanz- 
mädchentypen Sind häufig nicht durch einen krankhaften Prozeß 
innerlich ungeordnet geworden, Sondern haben lebenslänglich nie 
irgend eine andere Art der Ordnung besessen. Analygiert man die 
einzelnen Konstitutionen, dann findet man gewöhnlich die gleiche 
Denkart. ein wenig cachiert, bei den Eltern, das Verhältnis der
	        

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