Full text: Zeitschrift für Kinderforschung - 34.1928 (34)

Die Struktur der Verwahrlogung. 111 
Bltern ebenfalls rein triebhaft, die gesamte außerschulische Er- 
ziehung lediglich auf äußere Genüsse eingestellt. 
Bei diegen Prozessgen, die je nach den S8chlechthin gegebenen 
Umweltsbedingungen die Mehrzahl der Jugendlichen Progtitution 
ausmachen können, ist ein Abnormigierungsvorgang gar nicht 
erforderlich, um die äußere Verwahrlogung herbeizuführen. Die 
2c8amte Erziehung lenkt die Jugend auf die Progtitution hin. 
Wenn Sie Später trotzdem in einen geordneten Beruf gehen, beruht 
das auf der Erziehungsabwehr des elterlichen Vorbildes oder auf 
der verstandesmäßigen Verarbeitung der in der Progtitution not- 
wendigen unliebsamen Erlebnisse. Erwachgene, die diesen Weg in 
Ihrer Jugend gegangen Sind, pflegen später bei der Erziehung der 
eigenen Kinder Sehr Sittenstreng zu Sein, ohne freilich immer zu 
erreichen, daß Sie die Anlagen, die 8ie Selbst zur Entgleisung Ze- 
führt hatten, damit auslöschen. 
Relativ Sehr Selten ist die jugendliche Prostitution vou 
Mädchen aus wirklicher Leidenschaft, also einem Vorgang, der 
eiwa den Gewalthandlungen der männlichen Jugend entspricht. 
Die dieser ähnlichste Strukturgrundlage ist eher noch die ge- 
Schlechtliche Neugier, der Rauschhunger oder die diabolisch ge- 
richtete, leidenschaftliche Abwehr der Erziehungskomplexe. 
Alle drei Sind nicht Selten miteinander verbunden, da gie auf 
der gleichen Grundlage beruhen, aber gie führen verhältnismäßig 
Selten zu echten VerwahrlogungsprozesSen, meist mehr zu den 
leidenschaftlich neurasthenischen Folgezuständen des Seelischen - 
Kampfes. Auch wenn vorübergehend das leidenschaftlich un- 
gehemmte Mädchen in jugendliche Progtitution gelangt, geht gie 
im allgemeinen Später andere Wege. Sie wird, wenn sie die berufs- 
mäßige Hingabe wirtschaftlich nicht braucht, lesbisch oder diabo- 
liSch, zerstört Schickgale um der Freude an der Sengation willen 
oder aus Rache für die Verachtung, die ihr von den Gegschlechts- 
genosSinnen zuteil wird. Der Haß gilt dann im allgemeinen nicht 
dem Mann, Sondern der Frau, zerstört werden am liebsten Ehen, 
der Mann ist nur Mittel zum Zweck, um gich an der verheirateten 
Prau zu rächen. 
Die körperlichen Strukturgrundlagen dieser mehr diabolischen 
Typen, die ursprünglich aus der Geschlechtsneugier oder dem 
Rauschhunger entstehen, Sind im allgemeinen höchst kompliziert. 
Es besteht nicht Selten eine 80 hochgradige Schamhaftigkeit gegen- 
über dem Arzt, daß eine körperliche Untersuchung fast unmöglich 
iSt. Die Affektspannung, die Sich auch durch die gexuelle Be-
	        

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