Full text: Zeitschrift für Kinderforschung - 34.1928 (34)

114 | H. Hangelmann: 
verstärkte Störungen auf dem Gebiete des Gefühls- und Willens- 
lebens. Alle diese Entwicklungshemmungen führen zu einer Charak- 
teristisSchen Abwandlung des Gesamtseelenzustandes und bedürfen 
giner Speziellen Erziehungsweise, fast immer auch einer Speziellen 
Unterrichtsweise. Neben diese erste Forderung tritt die zweite, 
daß die Erzieher und Lehrer des entwicklungsgehemmten Kindes 
durch eine besondere Ausbildung für jene Aufgaben vorbereitet 
werden müsse21. 
Bei uns in der Schweiz ist für blinde, taube, in großen Städten 
anch für Sehschwache und Schwerhörige, ferner durch Einrichtung 
von Spezialklassgen und Anstalten für geistesschwache Kinder Jener 
besondere Unterricht und die besondere Erziehung gewährleistet. 
Psychopathische und irgendwie Schwererziehbare Schulkinder und 
SchulentlasSene finden Aufnahme in zahlreichen Erziehungs- 
anstalten. Am Ausbau neuzeitlicher Erziehungsmethoden, ge- 
gründet auf eine bessgere psSychologische Erfassung der Persönlich- 
keit des Schwererziehbaren Kindes, wird heute ganz besonders 
rege gearbeitet. In der Stadt Zürich wird Seit kurzer Zeit der Ver- 
Such mit Sehr gutem Erfolg gemacht, pSYchopathische Kinder, die 
im elterlichen Milien belassen werden Können, in einer „Be- 
obachtungsklasse“ besonders zu erziehen und zu unterrichten. -- 
An der Vorbereitung und am YPortgang dieser erfrenlichen Ent- 
wicklung unsgeres Schweizerischen heilpädagogischen Unterrichts- 
und KrziehungSwegsens Sind in hervorragendem Maße die privaten 
Jugendhilfe- und Jugendfürsorgeorganisationen beteiligt, welche in 
Sichtbarlicher Auswirkung von Pegstalozzis Leben und Lehre bei uns 
in großer Zahl entstanden Sind. Die Spitzenverbände der Blinden-, 
Taubstummen-, Geistesschwachen- und Schwererziehbarenfürsorge 
SIRd Seit dem Jahre 1921 als „Schweizerische Vereinigung für 
Anormale“ nunmehr zu einer vielseitig fördernden, vom Bundes- 
Staate unterstützten Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen, 
der ein ungefähr zu gleicher Zeit entstandener „Verband Heil- 
pädagogisches Seminar“ ebenfalls angehört und geit einiger Zeit 
.als Gegschäfttsstelle dient. Ich muß davon abgehen, hier aus- 
zuiühren, in welcher Weise die eigentümlichen geschichtlichen, 
Politischen, Sprachlichen, kulturellen, konfessionellen und wirt- 
Schaftlichen Verhältnisse diese Entwicklung erschwert, aber auch 
Sehr vertieft haben. -- Ferner darf ich nur andeuten, daß die 
Schaffung vermehrter bheilpädagogischer Einrichtungen für die 
große Zahl Sehr kleiner, zum "Teil Sehr abgelegener Gemeinden 
Janserer Bergkantone ganz besonders Schwierige Anfgaben stellt. --
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.