Full text: Zeitschrift für Kinderforschung - 34.1928 (34)

Über heilpädagogische Ausbildung. 115 
Die zweite Forderung, eine bessgere Vorbildungsgelegenheit für 
die Lehrer und Erzieher des entwicklungsgehemmten Kindes zu 
Schaffen, mußte auf ihre Erfüllung trotz den vielen dringlichen Hin- 
weisen in PeStalozzis Schriften bis nahezu 100 Jahre nach Seinem 
Tode warten. Die Errichtung des HeilpädagogischenvSemi- 
nars Zürich im Jahre 1924 und, einige Jahre früher, des 
Institut J. J. RouSS8eau in Genf Sind zwar auch heute noch 
bescheidene Anfänge, aber doch Anfänge. Während das letztere 
ais westschweizeriSche Forschungs- und Lehrerbildungszentrale auf 
dem Gesamtgebiete der Erziehung und des Unterrichts dienen will 
und deswegen die Ausbildung von Heilpädagogen als Teilaufgabe 
betrachtet, erblickt das erstere hierin Seine Hauptaufgabe. -- 
Das Heilpädagogische Seminar Zürich verdankt geine Grün- 
dung und Seinen Fortbestand der privaten Initiative und Gebe- 
ireudigkeit, während uns einige Kantone, in Sehr erheblichem Maße 
der Kanton Zürich, durch Subventionen unterstützen. Es ist also 
eine nicht-Staatliche KBinrichtung für die deutschsprachige 
Schweiz. Diese Stellung ist in ungerem Lande die einzig mögliche, 
weil bei uns das Erziehungswesen kantonales Hoheitsrecht und 
nicht Schweizerisch zusammengefaßt ist, das Bedürfnis an heil- 
pädagogischen Lehrkräften jedes einzelnen Kantones Sich aber als 
zu klein erweist, um ein eigenes kantonales Seminar zu recht- 
fertigen, interkantonale Staatliche Konkordate auf dem Gebiete 
des Erziehungswes2ns aber nicht wohl möglich gind. 
Als Programm wurde aufgestellt, was folgt: 
1. Veranstaltung von einjährigen Vollkursen für bereits 
patentierte Volks- und Sekundarschullehrkräfte. 
Einrichtung von mehrtägigen bis mehrwöchigen Sonder- 
kursen auf allen Gebieten der Heilpädagogik, a) zur Ein- 
führung in das betreffende Arbeitsgebiet, b) zur Fortbildung. 
In beiden Fällen Sollen Lehr- und Krziehungskräfte mit 
Lehrerpatent von Solchen getrennt ausgebildet werden, die 
diesen Bildungsgang nicht aufweigen. 
- 3. Einführung der Heilpädagogik als Lehrfach in Primar-, 
vekundarschul-Lehrerbildungsanstalten und an der Universi- 
tät Zürich. 
4. Schaffung einer Beratun2s- und AuskunftssStelle 
für die Praxis auf allen Sondergebieten der Heilpädagogik. 
5. Soll das Heilpädagogische Seminar wisgenschaftliche For- 
Schungsstätte werden. 
Zeitschrift für Kindorforschung. 34. Band. " 9 
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