Full text: Zeitschrift für Kinderforschung - 34.1928 (34)

Über heilpädagogische Ausbildung. 117 
Der Zutritt zum Vollkurs mit Anspruch auf das Diplom steht 
allen Männern und Frauen offen, welche im Begitze eines Kan- 
tonalen Lehrerpatentes Sind und (in der Regel) mindestens ein 
Jahr praktisch im Schuldienst gestanden haben. Das Heil- 
pädagogische Seminar ist interkonfesSionell und politisch neutral. 
Der Lehrplan umfaßt einen theoretischen und einen prak- 
tischen Teil. Während des ersteren besuchen die Kandidaten Vor- 
legungen über allgemeine und experimentelle Psychologie, PÄäd- 
ag0gik, Volksschulkunde, Einführung in die Heilpädagogik, An- 
thropologie und Hygiene an den beiden Sektionen der philo- 
Sophischen Fakultät der Universität, wo Sie während des vommer- 
Semegters immatrikuliert Sind. Wo für die Darbietung des Stoffes 
besondere Rückgichten auf die Vorbildung der Kandidaten und 
besondere Bezugnahme auf den Zweck der Ausbildung notwendig 
iSt, veranstaltet das Heilpädagogische Seminar Sondervorlesungen 
mit akademischen oder in der Praxis Stehenden Dozenten: Kindes- 
pSyYchologie, PSychopathologie, Anatomie, Physiologie und Patho- 
logie des NervensyStems, Sprachstörungen im Kindegalter, Jugend- 
recht, Jugendhilfe usw. | 
Im zweiten Teil der Ausbildung (Anfang Oktober bis Mitte 
März) Sind die Kandidaten als Praktikanten zunächst im Land- 
erziehungsheim Albisbrunn (für entwicklungsgehemmte Kinder und 
Jungendliche) und von Neujahr an in einer freigewählten Anztalt 
oder Sonderklasse in oder in der Nähe der vtadt Zürich tätig. 
Im Mittelpunkt der Ausbildung Stehen die Seminarübungen 
von im Sommer wöchentlich 6, im Winter 5 Stunden, geleitet durch 
den Seminarleiter. Hier besteht die nicht ganz leichte Aufgabe, 
die verbleibenden Lücken im Vorlesungsprogramm auszufüllen, 
die verschiedenen Lehrmeinungen der einzelnen Dozenten zu über- 
brücken und die vielen Stücke zu einem Ganzen zu formen. 
Andergeits bekommen die Kandidaten Gelegenheit, Sich in Kritik 
und in der Darstellung eigener Gedanken zu üben. 
Während des ganzen Jahres werden Handfertigkeitskurse ver- 
anstaltet (Papier-, Modellier-, Schnitz-usw.arbeiten). BEbenso Sind 
die Kandidaten verpflichtet, begonders eingerichtete Stunden für 
rhythmische Gymnastik während des ganzen Jahres zu besuchen. --- 
Heute noch bedeutet der Beguch des Vollkurses für den ein- 
zelnen Teilnehmer ein großes finanzielles Opfer. Wir haben Schon 
manchen, für die Ausbildung und die heilpädagogische Tätigkeit 
Sichtlich Sehr gut geeigneten Bewerber und manche Bewerberin 
nicht aufnehmen können, weil ihnen Solche Geldopfer nicht mög- 
9?
	        

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