Full text: Zeitschrift für Kinderforschung - 34.1928 (34)

122 H. Hanselmann : 
weltsverhältnissge es nicht, Solche Kinder durch Schulstuben- 
unterricht allein fördern zu wollen. Das geistesschwache Kind 
muß leben lernen. 
Ich konnte nur andeuten, in welchen Richtungen die prak- 
tiSchen Bedenken lagen und liegen, welche die Gründung unsgeres 
Heilpädagogischen Seminars erschwert haben. vie hängen mit 
Tatsachen zusammen, die bald in die Tiefe tühren und „Grund- 
Jagen und Grundgätze der Heilpädagogik“ betreffen. -- 
Auch in theoretischer und SyStematischer Be- 
ziehung Sind die Fragestellungen, die Sich an die Schaffung eines 
Heilpädagogischen Seminars ansgchließen, außerordentlich inter- 
esSant. -- Auch bei uns Iist die Frage der Angliederung an die medi- 
ziniSche oder philosophische FVakultät der Univergität in getrennten 
und gemeinsamen vitzungen der Vertreter derselben ausführlich 
diskutiert worden. Der gleiche Umstand, der Ja bekanntlich die 
heilpädagogische Praxis erschwert, daß nämlich Arzt und Päd- 
ag0ge zusammenwirken müssgen, kompliziert auch die Ausbildung 
des Heilpädagogen und die LösSung der Frage der Leitung eines 
Heilpädagogischen Seminars. Was die Leitung zunächst anbetrifft, 
S0 Scheint mir dieJenige Situation die günstigste zu Sein, daß der 
Leiter Arzt und Pädagoge wäre. Wenn wir freilich bedenken, daß 
er dann wohl am besten zuerst einige Jahre Lehrer in Sonder- 
klassen und Anstalten gewesen gein müßte, bevor er Philogophie 
oder Pädagogik Studiert bis zum Doktorexamen, um hierauf das 
Medizinstudium zu absolvieren, dann dürften die Anwärter nicht 
zahlreich Sein, weil ja neben wisgSenschaftlichen Sehr wegentlich 
auch mengSchliche Qualitäten zudem noch in Betracht kommen. 
Nach gründlicher Durcharbeitung der Notwendigkeiten und 
Möglichkeiten kam bei uns der Anschluß weder an die philo-- 
SOPhische, noch an die medizinische Fakultät in Frage, Sondern die 
beste LöSung wäre für uns die BKrrichtung eines Lehrstuhles für 
Heilpädagogik als Extraordinariat an der philogophischen Fakultät 
&gCewesen. Dazu konnte es aber namentlich aus finanziellen Gründen 
nicht kommen. Um 80 dankbarer waren wir, daß dann die Habili- 
tation des Semimarleiterg mit diesgem Lehrfach zugelassgen 
worden iSt. -- | 
Eine weitere wichtige Frage ist die, die Sich an die Definition 
des Umfanges des Begriffes Heilpädagogik anschließt. Wir Selbst 
beziehen, wie dies eingangs erwähnt wurde, auch die Blindheit und 
Taubheit in den Begriff der Heilpädagogik ein in der grundSätz- 
lichen Erwägung, daß blinde und taube Kinder nicht normale
	        

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