Full text: Zeitschrift für Kinderforschung - 34.1928 (34)

Über heilpädagogische Ausbildung. 123 
Kinder minus Gegichts- und Gehörsdaten Sind, Sondern daß der 
dauernde Ausfall, aber auch nur die dauernde Starke Beeinträchti- 
gung dieger wichtigen Funktionen eine charakteristisgche Ab- 
wandlung des Gesamtseelenzustandes zur Folge hat. Darum gehört. 
für uns jedes Kind, das in Seiner Seelischen Entwicklung dauernd 
durch irgendwelche Ursachen gehemmt, beschränkt oder gestört Iist, 
in den Arbeitgbereich der Heilpädagogik. Da nun aber der „reine 
Fall“, wo nur eine Urgache und diese nur eindeutig wirkt, praktisch 
wohl nicht vorkommt, 80 halten wir es als Hauptaufgabe der 
heilpädagogischen Ausbildung, die Kandidaten in das Wegen der 
psychologischen Entwicklungshemmung einzuführen. Blindheit 
kann mit Schwerhörigkeit, Taubheit, Geistesschwäche, PSYCHLo- 
pathischer Konstitution, Neurose, Umweltsschäden kombiniert Sein, 
und in gleicher Weise tritt eine innere Verbindung einer Art mit 
der andern oder mit mehreren andern in allen Hauptformen der 
geelischen Entwicklungshemmung Sozugagen immer auf. Der | 
künftige Hilfsschullehrer, der Blinden- und 'Taubstummenlehrer, 
der Erzieher in Beobachtungs- und Erziehungsanstalten für PSychoO- 
pathische oder Sonstwie Schwererziehbare, jeder muß daher in die 
Psychologie aller Entwicklungsgehemmten eingeführt Sein, ebenso 
in die für alle geltenden heilpädagogischen Grundlagen und Grund- 
Sätze. -- Dagegen erscheint es mir weder notwendig, noch --- ohne 
eine für ungere Verhältnisse viel zu lange Ausbildungszeit -- mÖSg- 
lich, nun auch noch die Technik und Methodik jedes einzelnen 
Arbeitsgebietes im Seminar Selbst vermitteln zu wollen. Hierfür 
Sind die Sonderschulen und Anstalten viel besser geeignet, ja einzig 
Seeignet. Es Sei denn, daß ein Heilpädagogisches Seminar eine. 
eigene „Muster- oder Übungsschule“ einrichten wollte, ähnlich der, 
wie gie die Lehrerbildungsanstalten für die angehenden Lehrer des. 
vollentwicklungsfähigen Kindes besitzen. Die genauere Überlegung 
erweist aber bald, daß eine Solche Musterschule am Heilpädago- 
gischen Seminar, in welchen alle Hauptformen der Entwicklungs- 
hemmung vertreten Sein müßten, eine praktische Unmöglichkeit iSt. -- 
Mir Schwebt für die weitere Ausgestaltung unseres Heilpädagogischen 
Seminars vielmehr folgender Plan vor: Ausdehnung der Aus- 
bildungszeit auf zwei, noch Später vielleicht auf drei Jahre, WOVon 
ein ganzes Jahr zusammenhängend (Später drei Semester) der theo- 
retisgchen Ausbildung gewidmet wären, während die praktisSche, 
die technische und methodisch-didaktische Ausbildung in einem 
Jahr (später anderthalb Jahre) in Sonderschulen und Anstalten er- 
folgen würde. Die „„Musterschule“ des Heilpädagogischen Semi-
	        

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