Full text: Zeitschrift für Kinderforschung - 34.1928 (34)

Steinmühle-Krimnerungen. 131 
einige ganz treue. Da istf zum Beispiel gerade einer von ihnen, Josgef N., dem 
die Luft in der Steinmühle besonders wohl tat. Er war 1917 14 jährig in die 
Anstalt eingetreten, war uns als Schwachsinnig, boshaft und recht Schwierig 
gemeldet worden von der Angtalt, in der er Sich vorher befand, stellte Sich 
aber als ein ganz harmloger Infantiler heraus, der noch 80 Vieles nach- 
zuholen hatte, der eben viel langsgamer reif wurde als andere. Er war 
typisch einer von denen, für die die Steinmühle ursprünglich bestimmt war. 
Er hat eine Schusterlehre absolviert, der Seppel, und wird wohl jetzt ein 
„Mann“ Sein. Wenn er mir aber Schreibt, 80 ist er doch stets Kind, vergißt 
nie, meine Frau, die er nie gegehen hat, zu grüßen, und unterschreibt Stets 
als „Ihr lieber Seppel!“ -- . 
Die gewaltige Umwälzung in den Nachbkriegsjahren bat Ja auch im 
Erziehungsgebiete Änderungen gebracht, hat auch in der Frage der Er- 
ziehung der Sogenannten „Schwererziehbaren“ neue Gegichtspunkte ent- 
Stehen lasSen. Ich möchte aber doch hoffen, daß recht viel vom Geist der 
Steinmühle Sich nunmehr weiter auswirken darf. Man ist wissenschaftlich 
Schr weit gekommen; möge aber bei der Erziehung selbst neben den Wwissen- 
Schaftlichen Methoden stets der lebendige Geist der Liebe wirken, denn 
ohne den haben die Jungen nicht Satt. Prof. von Düring arbeitet Ja 
gegenwärtig Selber nicht mehr direkt in einer Anstalt; aber er möge die 
Gewißheit haben, daß trotzdem das von ihm unentwegt Verfochtene nicht 
untergeht, Sondern von neuen Kämpfern aufgenommen und weitergetragen 
wird. Diese Sichere AussSicht möge ihm bei Beendigung geines 70. Lebens- 
jahres Kraft zu weiterem Schaffen geben. Er möge es wissen, daß Seine 
"Tätigkeit auf der Steinmühle mit zu geinen größten Erfolgen gehörte. -- 
Dr. Robert Loeliger, Zentralsekretär von Juventute, Zürich. 
Zeitschrift für Kinderforgchung. Band 34. 10
	        

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