Full text: Zeitschrift für Kinderforschung - 34.1928 (34)

EK. Michaölis: Vom „Verbrecher aus Schuldbewußtsem“. 133 
Schauend gestellt, ohne doch Selbst wirklich auch Schon den Weg 
zeigen zu können, der aus dem „atomistischen Chaos“, der „Periode 
der Atome, in der wir leben“, herausführt. Seither ist das WisSen 
um die geelische Krigis der Gegenwart allenthalben immer stärker 
geworden. In meinem Buche über die „Menschheitsproblematik 
der Freudschen Psycboanalyse“ habe ich zu zeigen Vversucht, wie 
aus diesger Gesamtlage auch die eigentümliche Kingeitigkeit und 
Verworrenheit der „psychoanalytiSschen Lehre“ ableitbar ist. Das 
ist in diegem Zugammenhange deghalb 80 wichtig, weil die zur Er- 
ziehung Berufenen Sich bei ihrer Bemühung um Klärung der 
Scelischen Entwicklung des Menschen bei dieser „Wissenschaft“ 
Rat holen wollen -- und dabei leicht in die Irre geraten. Zwar 1st 
von Freud sSelbst gelegentlich zugegeben worden, daß „die Psycho- 
analyse zur Erziehung herangezogen werden, aber diese nicht er- 
Setzen oder entbehrlich machen kann“. Aber die Grenzen Sind 
nicht Scharf gezogen. -- Und überdies nimmt der um Erziehung 
Beflisgene leicht Vorurteile über das „„Wesen“ des Menschen bei 
Seiner Suche nach Belehrung mit. 
Ts fehlt heute nicht an kritischen Stimmen, die die Bingeitig- 
keit der Trieblehre Freuds aufzeigen und überwinden wollen. 
Auch EK. v. Düring hat in Seiner „Heilpädagogik“ auf das 
grundlegende Problem hingewiegen, daß das „Ideal im Ich irgendwie 
angelegt gein muß“, damit eine „Entwicklung“ in der Richtung 
eines kulturellen Aufbaus möglich werde. „Nur da, wo höhere Ge- 
fühle angelegt oder vorhanden Sind, können diese in ihrer Ver- 
Schmelzung mit den in den Trieben aufgespeicherten Energien eine 
Höherentwicklung hervorbringen.“ Ich habe in meinem Buche 
diesen „Kampf um das Ideal“ eingehend dargestellt und gezeigt, 
daß es Sich dabei nicht etwa um einen bloßen Streit der Begriffs- 
bildung handelt, Sondern um einen der „Weltanschauung“ -- um 
die Frage nach Sinn und Wegen des Menschen. Gerade die Art, 
wie in letzten Jahren von Freud und Seiner Schule das lange 
ja gänzlich verborgene „Ich-Ideal“ eingeführt und -- entstellt 
wird, zeigt doppelt die Tragweite diesger - Fragen, deren Be- 
antwortung für die Erziehung direkt entscheidend I1st. 
„Ideal und Gewisgen“ entstammen: dem äußeren /wange, 
Sind „aufgenötigt von außen“, „Verkörperung der elterlichen Kritik 
wie der der Gegellschaft“. * Das ist die Ableitung der „Institution 
1 „Das Ich-Ideal umfaßt die Summe der Kinschränkungen, denen das Ich Sich 
fügen Soll und darum müßte die Einziehung dieses Ideals ein großartiges Vest für 
das Ich Sein, das dann wieder emmal mit Sich Selbst zufrieden Sein dürfie.“ 
10*
	        

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