Full text: Zeitschrift für Kinderforschung - 34.1928 (34)

142 KW. Michadchs: 
wenn alles was göttlich zu erleben in Seiner Natur liegt, in Seinem 
Kopfe Schläft und in Seinen Händen lahm und in Seinem Herzen 
kraftlos daliegt, wie kann er dann nach dem Höchsten, nach dem 
Erhabensten Streben, was in der Menschennatur liegt“? Ganz ähn- 
lich hat Sich einige Jahrzehnte Später Carl GustaVv Carus ge- 
äußert (z. B. in der „Symbolik der menschlichen Gestalt“). Bei 
der Nachforschungen zur Ergründung des Menschenwesens wird. 
hier durch alle Verbildung hindurch zum pogitiven Urgrunde vor- 
g268toßen, wird noch die Verbildung Selbst in ihrer Gesetzmäßigkeit 
als Volge der Unterdrückung der eigenen Anlagen erkannt und die 
innere Forderung wesensgemäßer Entfaltung gegstellt. -- Die Auf- 
gabe innerer KErfasSung und Lenkung wird klar hervorgehoben; 
Zwang und Strafe ausdrücklich verworfen. „Furcht kann nie als 
Sittlicher Zwang wirken; Sie wird immer nur ein Reizmittel körper- 
lichen Begehrens Sein und die Seele verbittern. Das Verbot an Sich 
wirkt Schon auf die Begierde aufreizend“ (Pestalozzi). vo 
findet Sich das Wissgen um die Gefahr des Wucherns „animalischer 
Triebe“ auch bei Pestalozzi. Aber gegenüber einer "Theorie 
vom „Kern unfaßbarer, unhemmbarer triebhaiter Wünsche“, die 
Freud als Wesensgrund des Menschen lehren wollte, hat er wie 
Jarus die innere Realität der Seele in ihrem ethischen 
Streben zur Vervollkommnung erkannt und erzieherisch verwirk- 
licht. Wenn die psychologische und psychopathologische Unter- 
Suüchung unserer Tage im Verein mit der praktischen Bemühung um 
“rziehung und Heilung allmählich immer Stärker hierhin vordringt, 
80 erschließt Sie altes, lange Vverschüttetes Wisgensgut. Aber diesge 
Aufdeckung ist um 80 wertvoller, als viele Vorurteile zu begeitigen 
waren und noch Sind. Hier hat Brnst v. Düring durch Tat und 
Lehre vorbildlich gewirkt. Im Zusammenhang mit geiner Arbeit 
kann dieser Beitrag trotz Seines fragmentarischen Charakters ver- 
deutlichen, wieviel fruchtbare Kräfte im Bereich Scheinbar krank- 
hafter Verbiidung der Erweckung harren. 
Gegenüber der MinusPerspektive einer Lehre von den 
„Trieben“ (Freud) und auch von der „Organminderwertigkeit“ 
und dem „Willen zur Macht“ (Adler) als „Kern“ aller neuy- 
rotisSchen und psychopathologischen Störungen wird hier die zen- 
trale Bedeutung der Spontanen höheren virebungen für den Fall 
pPSYChopathologischer „Verwahrlogung“ nachgewiesgen und in Er- 
2änzung der Darlegungen SPrängers und Charlotte Büh- 
16 rs für das gesunde Jugendalter gezeigt, wie grade die Versagung 
dieser „höheren Gefühle“. des „Eigentümlichen des Ich“ pathogen
	        

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