Full text: Zeitschrift für Kinderforschung - 34.1928 (34)

(Aus dem Mainzer Institut für Psychologie und Jugendkunde. 
Vorstand: Prof. Dr. Erich Stern.) 
Beitrag zur PSychologie des Stiefkindes. 
Von 
Prof. Dr. Erich Stern. 
Georg Simmel bemerkt einmal, es Sei auffallend, daß die 
Philosophie, die doch Anspruch darauf erhebe, das Ganze der Welt 
und des Lebens zu deuten, eine große Reihe Jebenswichtiger Pro- 
bleme bis heute kaum in den Kreis ihrer Betrachtungen gezogen 
habe. Den gleichen Vorwurf kann man der Psychologie machen: 
S0 wich 8ie lange einer Beschäftigung mit dem Problem der 
menschlichen PerSönlichkeit -- doch zweifellos dem 
Zentralproblem jeder P8ychologie --- aus, 80 ließ Sie alle Teilfragen 
nach Wesen und Werden der Pergönlichkeit beiseite. Und doch 
handelt es Sich hier um Fragen, die nicht nur wissSenschaftlich von 
Interesse Sind, denen vielmehr auch eine große praktische Be- 
deutung zukommt, Setzt Sich doch heute immer mehr die An- 
Schauung durch, daß jede Art der Kinwirkung auf andere Menschen 
einer theoretisch-wisgenschattlichen Fundierung bedarf. 
Das gilt besonders da, wo es Sich um pSychisch abnorme Indi- 
viduen handelt, um Individuen, welche der Behandlung be- 
SONdere Schwierigkeiten bereiten. Hier ist besonders die 
Frage von Wichtigkeit, auf welchem Wege es zu den vorhandenen 
Störungen des Verhaltens und der Sozialen Einordnung gekommen 
iSt, auf welchem Wege die Schwierigkeiten ent- 
Standen Sind. Überaus häufig liegen die Wurzeln in der Um- 
welt, sei es n Fehlernder Brziehung oder im mensehlichen, 
Sozialen und kulturellen Milieu im weitesten Sinne Dabei 
21ibt es nun eine Reihe von typischen Situationen, die Sich häufig 
tinden, und die zu typischen Veränderungen des Charakteraufbaus 
und zu typischen Störungen führen: ich nenne hier etwa das unehe- 
liche Kind, das einzige Kind, das vStieſkind, das nachgeborene, den 
Geschwistern in größerem Abstand folgende Kind. Auch hier gilt
	        

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