Full text: Zeitschrift für Kinderforschung - 34.1928 (34)

D. Katz: Psychologische Probleme d. Hungers u. Appetits, ingbegondere beim Kinde. 159 
einer eingetretenen Erkrankung mindern kann. Die Appetitlogig- 
keit im pathologischen Sinn dürfte gar nicht 80 Selten eine psycho- 
logische Komponente haben, eine Solche dürfte aber immer im 
Spiel sein bei der noch nicht als pathologisch zu bezeichnenden 
dauernden oder vorübergehenden Eß-Unlust mancher Kinder, deren 
Bekämpfung für manche Mutter eine 80 aufreibende Angelegenheit 
werden kann. Aussgicht auf Erfolg hat dieser Kampf nur, wenn er 
mit Kinsicht in die psychologischen Wurzeln der Unlust geführt 
wird, die Sehr vielfältiger Natur Sein können. Wir glauben, auf 
Grund der Beobachtung unsgerer Kinder Beiträge zur Lögung diesger 
praktisch wichtigen Frage liefern zu können, der vorliegende Auf- 
Satz enthält indessen wegentlich theoretische Untersuchungen zum 
Problem des Hungers und Appetits. 
Prüft ma»v die kinderpsychologische Literatur und die Lehr- 
bücher der allgemeinen PSsychologie daraufhin, was Sie über die 
Fragen des Hungers in all Seinen Formen und über mit ihm ver- 
wandte Phänomene zu 8agen haben. 80 Stellt man mit einiger Über- 
ragchung fest, daß das -- Sofern 8ich diese Lehrbücher darüber 
überhaupt nicht gänzlich ausschweigen -- äußerst dürftig ist im 
Hinblick auf die durch keinen andern Trieb übertroffene Motiv- 
kraft, welche dem Hunger und Seinen Spezialisierungen in den Ver- 
Schiedensten individuellen und generellen Appetitsrichtungen im 
Leben Jedes einzelnen Menschen 80wie im Leben der Völker zu- 
erkannt werden muß. Bine Lektüre der einschlägigen Stellen der 
Lehrbücher läßt leicht erkennen, daß die 'deskriptiv-phänomeno- 
logische Methode und die ganzheitliche Betrachtungsweise der 
Probleme --- beides deckt Sich für mich weitgehend, weil vorurteils- 
lose Beschreibung notwendig auf die Ganzheiten als natürliche 
Ausgangspunkte psychologischer Betrachtung führt --- hier noch 
nicht ihre Herrschaft angetreten haben. Nicht weniger fehlt es 
aber an Kausaler und entwicklungsgeschichtlicher Betrachtung der 
Probleme. Diese Sachlage möge es rechtfertigen, wenn ich den 
Kinderpsychologischen Untersuchungen einen Abschnitt über all- 
gemeine Fragen der Psychologie des Hungers und Appetits voraus- 
Schicke. Es muß hier für diesen Teil der Kinderpsychologie eine 
Vorarbeit geleistet werden, die für andere Teile von der all- 
gemeinen Psychologie bereits erledigt worden ist. In der medi- 
ziniSchen Literatur liegt, was bei der hohen praktischen Bedeut- 
Samkeit von Fragen des Hungers und Appetits ja nicht Wunder 
nimmt, ein riesiges Material zu diesen Fragen vor, aber es ist bis 
Jetzt von den Psychologen noch nicht entdeckt worden. Tänugche
	        

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