Full text: Zeitschrift für Kinderforschung - 34.1928 (34)

166 D. Katz: 
zum Handeln, d. h. zum Aufsuchen des gedeckten Tisches treibt. 
Ich habe festgestellt, daß ich mich Selbst am Ende eines etwa 
26 Stündigen Streng durchgeführten Fastens, welches Sich auch auf 
die Enthaltsamkeit von allen FlüssSigkeiten bezog, zeitweilig von 
der Belästigung durch das Hungergefühl emanzipieren konnte, 
indem ich ihm entweder meine ganze Aufmerksamkeit zuwandte 
und es Seiner Bedeutungslosigkeit der Intensgität nach dadurch ent- 
larvte, daß ich es zum Gegenstand einer PpSYchologischen APPper- 
Zeption machte, oder indem ich mein Interesse 80 Stark wie mÖS- 
lich andern Gegenständen zuwandte. Aber immer wieder brach 
das Hungergefühl durch und blieb im Kampf mit den vom Willen 
getroffenen Veranstaltungen zu Seiner Unterdrückung doch vieger. 
Darauf beruht die Stärke der Triebe, daß gie bei ihrem Erwachen 
ohne Unterlaß am Werke Sein können, während der ihnen ent- 
gegenstehende Wille in Schüben arbeitet. 
Hunger und Sein Gegenpol Sättigung gehören in die Kategorie 
der den ganzen Ürganismus berührenden, von der ZuSammen- 
Setzung Seiner GewebsflüsSigkeit geregelten vtimmungen. Von 
Ihnen hängt die Stellungnahme des Organismus zu bestimmien 
Objekten ab, der einen Stimmung kann höchst begehrenswert 
erscheinen, was die andere unberührt läßt und für eine dritte Ob- 
jekt des Kkels und Abscheus wird. “ Dem Hungrigen lassen 
Speisegerüche das Wasser im Mund zusammenlaufen, dem voll 
Gesättigten können Speisegerüche unerträglich werden. Das Ver- 
langen nach fettem Fleisch kann manchmal unüberwindbar Sein, 
iSt das Verlangen gestillt, 80 kann Schon der weitere Anblick des 
eben noch Stürmisch Geforderten wahre Übelkeit wecken. Für das 
Gebiet von Hunger und Appetit wird man nie zur Aufstellung eines 
Konstanzgatzes bezüglich des Verhältnisses von Organismus und 
Reiz kommen, der für das Gebiet der Sinneswahrnehmung für 
gewisse Grenzfälle noch diskutiert werden könnte. * Wenn man 
das Wegen der Stimmungen mit ihren radikalen und überraschend 
Schnell eintretenden Umschwüngen Studieren will: nirgends bietet 
Sich dafür eine 80 leicht zugängliche Gelegenheit wie in dem vor- 
liegenden Gebiet. Untersuchungen dieser Art haben weit hinaus 
1 Nicht nur bei Hunger und Täebe regelt Sich Wert und Unwert in Abhängig- 
keit von der Stimmung. Verschiedenheit der Stimmung bedingt es, daß eine anf 
fester Unterlage kriechende Amöbe die Berührung eines festen Körpers zu meiden, 
eine im Wasser Schwebende Sie festzuhalten Sucht. H. 8. Jennings, Behavior of 
the lower Organismus. New York 1906. 
? Rs wird unten von der Geltung eines Konstanzsatzes in einem ganz anderen 
Sinn die Rede gem.
	        

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