Full text: Zeitschrift für Kinderforschung - 34.1928 (34)

170 /. D. Katz: 
Man kann hier auf die Parallele aus der Tierpsychologie verweisen; 
dressierte Tiere arbeiten auch besger, wenn gie durch einen leichten 
Hunger in eine gewisse Spannung geraten Sind als dann, wenn Sie 
eine volle Sättigung erreicht haben, die höhere Arbeitsbereitschaſt 
des hungrigen Tieres mag allerdings auch damit zusammenhängen, 
daß es Seine Kunststücke lieber in Erwartung der gewöhnlichen 
Belohnung in Form von Fressen zeigt. Es ist nicht ganz leicht, 
Sich bei den Versuchen mit Herabsetzung der Nahrungsmenge 
innerhalb der beabsichtigten Grenzen zu halten, immer wieder ent- 
deckt man eine Neigung, über das Quantum, das man Sich versuchs- 
mäßig einzuhalten vorgenommen hat, hinauszugehen, was nur 
Strenge Kontrolle verhindert. Die Verguche, die ich hier in Angriff 
genommen habe, die natürlich von genauen Kontrollen der Ge- 
wichtsverhältnisse des Körpers begleitet Sind, Vversprechen auch 
praktisch gut verwendbare Feststellungen. * Änderungen der quali- 
tativen Seite der Ernährung verraten Sich in deutlicher Weise in 
den Schr aufdringlich werdenden Begehrungen der von der SpeisSe- 
karte gestrichenen Speisen und zwar im allgemeinen um 80 mehr, 
Je länger die betreffenden SpeiSen ausgesSchaltet worden Sind. 5O- 
weit es Sich um Genußmittel handelt, ist diese Erscheinung am 
deutlichsten. Dabei ergibt Sich, daß das Verlangen auch in Ab- 
hängigkeit von der Tagegzeit, zu der die Genußmittel in der Regel 
genommen wurden, Steht. Handelt es Sich z. B. um den Verzicht 
auf den Nachmittagskaffee, 80 Stellt Sich um Seine Stunde ein leb- 
haftes Verlangen nach ihm ein, das überaus unlustvoll und quälend 
in Seiner Aufdringlichkeit werden kann. * Es läßt Sich Somit eine 
92ewisse Periodik in dem Auftauchen der SpezifiSchen APpetits- 
richtung auf Genußmittel feststellen, wie Sie mit gleicher AUus- 
g2eprägtheit für den natürlichen Hunger eigentlich nicht beobachtet 
wird. Ist man über die Zeit des Gebrauchs des Genußmittels hin- 
weggekommen, 80 geht die Aufdringlichkeit des Verlangens deutlich 
zurück und zeigt Sich erst wieder am nächsten Tag zur gleichen 
Stunde. In der Zwischenzeit kann das Verlangen nach Jenen 
Mitteln 80 gut wie ganz verschwinden. Die Unruhe, die durch Ver- 
zicht auf diese Mittel gegetzt wird, ist nicht wie die quantitative 
Herabsetzung der Nahrungsmengen als anregend zu bezeichnen, 
Sie hat im Gegenteil zunächst jedenfalls einen Störenden Einfluß, 
1! Die Anschaffung einer Personenwage für diege Verguche erfolgte aus Mitteln, 
' welche die Notgemeingschaft der Deutschen Wisgengchaft zur Verfügung gestellt hat. 
? Zu dem hier behandelten Fragenkomplex können Beobachtungen an Süchtigen 
bei Entziehnungskuren überaus wertvoll werden.
	        

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