Full text: Zeitschrift für Kinderforschung - 34.1928 (34)

Psychologische Probleme des Hungers und Appetits, insbesondere beim Kinde. 171 
dem man Sich nur Schwer zu entziehen vermag. Immer und immer 
wieder tauchen die betreffenden Situationen vorstellungsmäßig auf, 
die einen zur Befriedigung des Verlangens verführen möchten. Wie 
Steht es mit der Wirkung von Ergatzmitteln? Es scheint der Satz 
zu gelten, daß die Unruhe, welche die Enthaltsamkeit zur Folge hat, 
innerhalb gewisser Grenzen durch Ergatzmittel beschwichtigt 
werden kann. Wer Kaffee gewöhnt ist, 1äßt Sich vielleicht mit Tee 
trögten und umgekehrt. Koffeinfreier Kaffee vermag an die Stelle 
des nicht-entgifteten zu treten. Kakao ist kein gern genommener 
Ergatz, es fehlt Seinem Geschmack das Pikante, welches Kaffee und 
Tee 80 auszeichnet. Bei den Genußmitteln mügssgen wir unter- 
Scheiden die ursprüngliche Sinnlich wahrnehmbare Schmackhaſtig- 
keit * und die nach einiger Zeit gich einstellenden gekundären 
Wirkungen der Anregung. Gegucht wird bei Kaffee und Tee vom 
Erwachsenen, der an diese Getränke gewöhnt 1iSt, Zunächst der un- 
mittelbare Genuß. Ich glaube, wenn man die Wahl hätte zwisgchen 
Genußmitteln, die einen spezifisgchen Genuß verschaffen, ohne 
Sekundäre anregende Wirkungen zu haben und Solchen, die an- 
regende Wirkungen haben, zugleich aber das Nervensystem 
Schädigen, 80 würden die meisten Mengehen die ungschädlichen, 
den Genuß verschaffenden Mittel unter Verzicht auf gekundäre 
anregende Wirkungen bevorzugen. Der starke Verbrauch des in den 
Handel gekommenen koffeinfreien Kaffees Scheint diege Vermutung 
zu bestätigen. Ich kann zu diesem Punkt auch noch folgende Er- 
fahrung mitteilen. Ich nehme zuweilen, um eine Müdigkeit zu un- 
pasSender Zeit und am ungewüngechten Ort zu bekämpfen, etwa 
dann, wenn ich zwei Stunden V orlesungen hintereinander zu halten 
habe, etwas Kola und zwar genügt mir diejenige Quantität, welche 
in ?/:-“[, Tablette des Fabrikats Dalkolat enthalten ist. Mit dieger 
Menge erziele ich immer eine überraschend gute Wirkung, indem 
Ich dann von der bereits eingetretenen oder der begtimmt zu er- 
wartenden Ermüdung nichts verspüre. Was mich zu der Ein- 
nahme von Kola bestimmt, ist ausgehließlich der Wungeh, eine 
besSere geistige Leistung zu erzielen, aber keineswegs der Ge- 
Schmack der Tabletten als Solcher, der eher unangenehm als an- 
genehm für mich ist und ebensowenig der Wungch, das bereits 
eingetretene oder zu erwartende Müdigkeitsgefühl logzuwerden. 
Der Grad der Müdigkeit, den ich hier im Auge habe, ist Subjektiv 
* Wir Schen an dieger Stelle davon ab, daß auch diese Schmackhaftigkeit wenigstens 
teilweise Gewöhnungssache ist, Ungere beiden Kinder lehnen bis jetzt ihnen ver- 
Suchsweise angebotenen Kaffee ab.
	        

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