Full text: Zeitschrift für Kinderforschung - 34.1928 (34)

Psychologische Probleme des Hungers und Appetits, insbesondere beim Kinde, 181 
praktisches Problem, zu dessen LögSung Untersuchungen auf dem 
Gebiet der Soziologie des Geschmacks beitragen können. 
in unbegrenzter Weise Können Fragen des Hungers und Appetits 
dem Experiment zugänglich gemacht werden in der Tierpsychologie, 
in der Sich uns wie auch Schon die oben angeführten Beispiele gZeC- 
zeigt haben dürften, ein weiterer Weg zu den uns hier inter- 
esgierenden Fragen auftut. Besteht auch als Nachteil die allemal 
in der Tierpsychologie zu berücksichtigende Schwierigkeit der 
richtigen Deutung des tierischen Behaviors, 80 überwiegt doch der 
Vorteil, daß wir mit Tieren Verguche über den Hunger und Seine 
Wirkungen, Sowie über Probleme des Appetits mit einem Radi- 
kaligmus ausführen können, wie er bei Versuchspersonen, die Sich 
überhaupt in diesem recht lebensnahen Gebiet nicht 80 leicht finden 
werden, nicht in Anwendung gebracht werden kann. 
Das freilebende Tier läßt in Seiner Ernährungsweise die ur- 
Sprünglichen im Organismus verwurzelten Appetitsrichtungen am 
deutlichsten erkennen. Mag auch bei den Sozial lebenden Tieren 
die Selektion unter den von der Natur gebotenen Nahrungsstoffen 
nicht ganz von dem durch die erwachsenen Tiere gegebenen Vor- 
bild und damit von einer gewissen Tradition unabhängig Sein, 80 
besteht doch diese Unabhängigkeit bei den Solitär lebenden, die bei 
der Nahrungssuche ganz aut Sich Selbst gestellt Sind. Die Spezifische 
Abgestimmtheit eines Tieres auf eine bestimmte Nahrung geht oft 
erstaunlich weit, 80 daß mit dem Fortfall jener Nahrung mm der 
Natur das Todegurteil über das betreffende Tier gesprochen Iist. 
Anderergeits bietet gerade diese Abgestimmtheit auf ein in der 
Natur in reichem Ausmaß vorhandenes Nahrungsmittel bei S8onstigen 
günstigen Bedingungen einer Tierart die Möglichkeit zu einer un- 
geheuren Zunahme in verhältnismäßig kurzer Zeit, wovon uns die 
zahlreichen Schädlingsplagen, besonders von der Ingektenwelt her, 
eine 80 beredte Kunde geben. Kin allgemein bekanntes Beispiel 
einer vorzüglichen Abgestimmtheit zwiSchen Tier und Nahrung 
bietet uns der Fall der Seidenraupe, die mit ihrer Ernährung auf 
die Blätter des Maulbeerbaums abgestellt ist. Hier und in den 
andern entsprechenden Fällen tut Sich für den Psychologen die 
Frage auf, wie denn das Tier Seine Nahrung zu finden vermag, der 
es zugeordnet ist, denn mit dem Hinweis auf die phygiologischen 
Bedürfnisse des Körpers, die nur durch die besondere Nahrung 
befriedigt werden könnten, ist ja das PpSsychologische Problem 
Keineswegs erledigt. -- Wenn es auch manche Tiere von ein- 
13*
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.