Full text: Zeitschrift für Kinderforschung - 34.1928 (34)

1382 D. Katz: 
deutiger Abgestimmtheit auf eine sSpezifische Nahrung gibt," 850 
bildet doch dieser Fall nicht die Regel, vielmehr 8ind die Fälle 
zahlreicher, wo eine kleinere oder größere Reihe von Nahrungs- 
mitteln von ungefähr gleicher Geeignetheit auf der öpeigekarte 
einer Tierart Stehen, 80, wenn ein Vleischfresser nicht gerade auf 
eine Tierart als Beutetiere, wenn ein Pflanzenfresser nicht gerade 
auf eine Sorte von Pflanzen Sich angewiegen findet. Bei den meisten 
'Lieren ist es 80, daß es zwar eine beste, eine Idealnahrung gibt, 
daß aber an deren Stelle eventuell eine weniger geeignete, an deren 
Stelle wieder eine andere weniger geeignete treten kann usw., 80 daß 
eine recht lange Sich Stets verschlechternde Reihe herauskommt. 
Dabei Scheinen Sich Kignung für die Tierart und Subjektives Er- 
Streben der Nahrung durch die Tierart weitgehend unter den Ver- 
hältnisSen, denen das Tier unterworfen ist, zu entsprechen, was Ja 
beim Menschen nicht durchgängig der Fall ist. In eimer Unter- 
Suchung über die Nahrung unserer vüßwasserfisSche hat Schie- 
menz“ unterschieden zwiSchen einer Haupt-, Gelegenheits-, Ver- 
Jegenheits- und Notnahrung, wobei von der Hauptnahrung und Ge- 
legenheitsnahrung, die etwa ungerer Idealnahrung entsprechen, nicht 
freiwillig zur Verlegenheits- und Notnahrung übergegangen wird, 
Sondern nur unter dem harten Zwang der Umstände. Man kann 
Sagen, daß ein "Tier eine jeweils höhere Stufe des Hungers erreicht 
haben muß, um Sich an die jeweils Schlechtere Nahrungsart heran- 
zumachen. Ein Tier läßt Sich um 80 weiter auf die negative Seite 
Seiner Speigekarte treiben, je hungriger es ist. Über diesen Punkt 
Sind im Rostocker psychologischen Institut Versuche angestellt 
worden in der Weise, daß für Hühner die Beliebtheitsfolge ver- 
Schiedener Körnerarten festgestellt wurde (Reis, Weizen, Gergte, 
Bohnen, Roggen, Hafer, Erbsen) und daß die Tiere durch immer 
weiter ausgedehntes Hungern dahin gebracht wurden, Körnerarten 
anzunehmen, die 8ie bei Schwächerem Hunger unbedingt ver- 
Schmähten. Bei stärksten Hungergraden werden 80gar Solche Dinge 
verschlungen, die überhaupt kaum noch als Nahrungsmittel an- 
gesprochen werden Können, wie Zz. B. FiSchknochen derber Art 
(nicht Gräten), die von früheren Mahlzeiten zurückgeblieben und 
! Ts Sei hier auch erimnert an die Spezifische Abgestimmtheit eines tierischen 
Schmarotzers auf: Seinen Wirt. Die Speziſigche Abgestimmtheit eines Verdanungs- 
SyStems anf eine Nahrung ermnert an die Abgestimmtheit eines Sinnegorganes auf Seinen 
adäquaten Reiz. 
* Schiemenz, Die Nahrung unserer SüßwasserfiSche. Naturwisgenschaften 1924. 
THeft 26.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.