Full text: Zeitschrift für Kinderforschung - 34.1928 (34)

1384 D. Katz: 
zu der um Sich greifenden SengibilisSierung ein gedankliches 
Ausprobieren neuer Wege hinzu, um in den Begitz von 
Nahrungsmitteln zu gelangen. Wegen des Fehlens dieses Intellek- 
tuellen Überbaus, der beim Menschen in Anspruch genommen wird, 
tritt beim Tier bezüglich der KlementargesSetze von Hunger und 
Appetit manches deutlicher in die Erscheinung. Ein Mensch, der 
Sich an auserlesenen Leckereien Satt gegessen hat, wird es unter 
Umgständen, die es ihm geraten erscheinen lassen, immer noch über 
Sich bringen, ein Stück trockenes Brot herunterzuwürgen, wird also 
eine weniger beliebte Nahrung nach Sättigung mit einer bevor- 
zugten annehmen, dagegen wird man es beispielsweise bei einem 
Hahn unter Keinen Umständen erreichen, Erbsen zu picken, nach- 
dem es Sich an Sehr beliebtem Weizen Satt gefressen hat. Erkrankt 
ein Tier, 80 geht fast Sofort der Appetit verloren oder kann Sich 
26261 das Normale in auffälliger Weise ändern. So wissen wir, 
daß manche Raupenarten die Futterpflanze wechseln, wenn Sich 
Schmarotzer in ihrem Darm angegiedelt haben. 
Unger Nahrungsbedürfnis und damit unser Appetit Steht in 
Starker Abhängigkeit von der Jahreszeit, derart, daß wir im Winter 
ein Stärkeres Bedürfnis nach konsistenteren Speigen haben, wie Sie 
uns Stark fett- und eiweißhaltige Gerichte liefern, wogegen uns im 
Sommer eine leichtere Krnährungsweise liegt. Es erscheint uns 
geradezu als eine Zumutung, wenn uns an einem heißen Sommertag 
eine Schwere Speise aufgetragen wird, die im Winter einem tieien 
Verlangen entsprechen kann. Die Quantität der verzehrten Speisen 
geht in der warmen Jahreszeit ganz deutlich zurück, ja, bei 
manchen Mengschen, Kindern und Erwachgenen, stellt Sich geradezu 
eine das Pathologische streifende Appetitlosigkeit ein, dafür Steigt 
der Verbrauch von Getränken auf ein mehrfaches dessen, was bei 
großer Kälte gefordert wird. Ohne weiteres verständlich erscheint 
uns auch, daß im vommer das Verlangen nach kalten Speisen 
27ößer ist als im Winter. Bei unsern Kindern war die Abhängig- 
keit ihres Appetits von der Jahreszeit deutlich erkennbar, Sie 
Sprach Sich ganz im vinne des 80cben ausgeführten aus. Sobald 
die kühlere Jahreszeit begann, wurde ihnen Lebertran (in der 
wohlschmeckenderen Form der Kmulsion) verabreicht, den Sie 
dann auch mit großer Liebe nahmen, Sobald aber die warmen 
Frühlingstage kamen, hatten die Kinder keinen rechten Appetit 
mehr danach und es wurde dann die Verabreichung eingestellt. 
Nachdem es uns geglückt war, den Kindern den Lebertran als eine 
Leckerei zu Suggerieren, hatten wir alle Urgache zu verhindern,
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.