Full text: Zeitschrift für Kinderforschung - 34.1928 (34)

186 D. Katz: 
um eine letzthin zweckmäßige, dem Körper der Mutter oder des 
Kindes dienliche Umstimmung handelt oder ob die Umstimmung 
cin zwar Kausgal zu verstehender aber an Sich weder als zweck- 
mäßig noch als unzweckmäßig zu betrachtender Vorgang ist. Viel- 
leicht gibt uns der Vergleich mit Umstimmungen des Appetits, die 
bei Erkrankungen anderer Art erfolgen, die Möglichkeit des Ver- 
Ständnisses. Wenn Sich infolge von Magen- und Darmerkrankungen 
Störungen des Appetits bis zu völliger Appetitlosigkeit einstellen. 
S0 führt das zu einer erwünschten Entlastung des erkrankten Ver- 
dauungsapparates. Auch die akute und bald wieder vorüber- 
Schende Appetitlosigkeit, die Sich bei aufregenden Erlebnisgen ein- 
Stellen kann, verhindert eine weitere Belastung des in Mitleiden- 
Schait gezogenen Verdauungssystems. Die praktische Medizin Vver- 
ordnet dort den Appetit anregende Mittel, wo Sie den Bestand des 
Organismus infolge des Vehlens von Regerven für bedroht hält. 
Ks iSt lehrreich, in besonderen UntergSuchungen auf die pharmako- 
PpSYechologische Wirkung dieser appetitanregenden Mittel ein- 
zugehen, die nicht nur am Krankenbett, Sondern auch am gesSunden 
Menschen zur Durchführung kommen können. 
In dem oben angeführten Vortrag weist v. Weizgsäcker 
darauf hin, „daß der Magen ein bervorragendes AusdrucksSorgan 
iSt für Seelische Zustände, daß Bewegung und Absonderung an 
ihm dengelben biologischen Gesamtvorgang Spiegeln, der psychisch. 
als Appetit erscheint“. Der Psychologe hat bislang wenig mit 
diesem Ausdrucksorgan anzufangen gewußt. Vorläufig wird er 
darum in der Arbeitsgemeinschaft mit dem Mediziner durchaus der 
nehmende Teil Sein mügsen. 
Im Zusammenbang mit diesen Fragen der medizinischen 
Psychologie lohnt es Sich, auch einmal der Frage nachzugebhen.. 
wieweit eine Art Instinkt den Menschen auf den Gebrauch medi- 
kamentöser Mittel zu bringen vermag. Diese Frage hängt Iihrer- 
Seits wieder mit derjenigen nach der Geschichte der Heilmittel, 
besonders der phäarmakologischen, zusammen: was hat die Menschen 
bestimmt, zu diesen oder jenen Kräutern, Wurzeln, Blättern, zu 
diesem oder jenem Mittel tieriSchen Ursprungs zu greifen, um bei 
Erkrankungen Heilung zu Suchen? Wahrscheinlich hat die Be- 
obachtung des Verhaltens von Tieren einige Bedeutung gehabt. 
Die Beobachtung von Tieren Scheint zu ergeben, daß gie Instinktiy 
bei gewisSen Erkrankungen zu einem wenn auch noch 80 primitiven 
Medizinieren kommen. Bei Verdauungsstörungen scheinen frei- 
lebende Tiere dazu überzugehen, Pflanzen zu fresgen, die 8ie in
	        

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