Full text: Zeitschrift für Kinderforschung - 34.1928 (34)

PSychologische Probleme des Hungers und Appetits, inShesondere beim Kinde. 189 
und Breien beherrschten Gemüge, darunter als Lieblingsgemüse rohe 
Yomaten, weiterhin alle Obstsorten, wie die Jahreszeit gie bot, 
Kirschen, Birnen, Äpfel, alle Sorten Beerenobst den Speigezettel 
des älteren Knaben. Einigermaßen auffällig war auch bei Theodor 
die Beliebtheit aller Sorten Käge von mildem Geschmack, die von 
Julius abgelehnt wurden. Wie 8tand es mit den Sonstigen kuli- 
narischen Genüssen bei Julius? Gewiß gind auch bei ihm Puddinge 
und Breie außerordentlich beliebt, aber Fleischspeisen in allen mög- 
lichen Vormen, wie der bürgerliche Haushalt Sie bringt, Sind ihnen 
in der Beliebtheit mindestens gleichgeordnet. Das Soll heißen, daß 
an vSpeisen dieser oder jener Art gleich gern ein vorhandener 
Hunger bis zur vollen Sättigung gestillt wird. Am liebsten nimmt 
Julius einen Knochen, an dem gich noch Fleisch befindet, in die 
Hand und löst Sich dieses gelbst los. Gibt es Geflügel, 80 erhebt er 
Protest dagegen, daß ihm das Fleisch von den Knochen abgelögt 
gegeben wird, er fordert es in Verbindung mit dem Knochen, um 
es abzusuchen. Gewiß ißt auch Theodor hier und da einmal einen 
Knochen ab, aber er erhebt dieses Verfahren nicht zu einem un- 
verletzlichen Prinzip. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, 
daß hinter der Neigung des jüngeren Knaben, gerade Knochen ab- 
zues8en, ein Zug zur Primitivität Steckt, der nur einer von vielen 
andern in Seinem Charakterbild gewesen ist. Wir haben, wie g63agt. 
Julius' Vorliebe für Fleisch durchaus nicht gefördert, versuchten ihr 
vielmehr bei manchen Gelegenheiten entgegenzutreten, aber doch hat 
Seine Neigung in dieger Richtung beständig zugenommen. Es dürfte 
SICh hierin eine allgemeine Gegsetzmäßigkeit äußern, derzufolge mit 
der regelmäßigen Befriedigung eines Bedürfnisses dieges Bedürfnis 
in Steigendem Maße gich in gewisgen Abständen Geltung zu ver- 
Schaffen versucht. So hängt, wie Schon erwähnt, die Vorliebe 
Julius' für Karotten auch mit Seiner frühzeitigen mit 8 Monaten 
begonnenen Ernährung mit diesgem Gemüsge zusammen. Nicht um 
alles in der Welt hätte man Julius dahin bringen können, rohe 
Tomaten zu essen, die Sein älterer Bruder mit wahrer Wonne ver- 
zehrte. Wenn er Sich im Gegengatz zu Theodor aus keiner Sorte 
Käsgse etwas machte, 80 Stimmte gein QGeschmack hierin wohl mit 
dem der meisten Kinder dieges Alters überein. Von Obst schätzte 
Julius viele Sorten nicht, die Theodor leidenschaftlich gern aß, 
u. B. Weintrauben. Mit echter Begeisterung trank Theodor die 
Milch von Kokognüssen, wobei zu dem unmittelbaren Sinnlichen 
Genuß noch der ideelle hinzugekommen Ssein mag, daß ja Kokos- 
nüsse und deren Milch in der Ernährung Robingons eine 80 große
	        

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