Full text: Zeitschrift für Kinderforschung - 34.1928 (34)

190 D. Katz: 
Rolle gespielt haben, dem um diese Zeit eine Schwärmerische Ver- 
ehrung entgegengebracht wurde. Das RomantisSche dieser Milch- 
quelle 80wie die Nachahmungstendenz bestimmten auch Julius, Sich 
von dem Satt der Kokosnuß geben zu lassen, aber er kostete nur 
wenig davon und überließ einigermaßen enttäuscht den Rest des 
Getränkes, das gar nicht Seiner Erwartung entsprach, dem darauf 
lauernden Bruder. Es wurde bereits gegagt, daß Theodor ein welt 
Srößerer Liebhaber aller Früchte war als Julius, die einzige AUuS- 
nahme, auf die wir in diesger Hingicht gestoßen Sind, machte das 
SOgenannte Johannisbrot, welches Julius mit auffällig gutem Appetit 
aß, während es von Theodor nach Aufnahme kleiner Kostproben 
abgewiesen wurde. Nun muß allerdings gesagt werden, daß 
Johannisbrot tatsächlich nach Kongistenz und Geschmack nicht 
ausgesprochen fruchtig ist, Sondern wie auch Schon der Name 
zum Ausdruck bringt, brotähnlich ist. Bringen wir das bisher Aus- 
geführte auf eine kurze YVormel: Theodor neigt entsSckhieden zu einer 
vegetarischen Lebensweise, 80 entschieden, daß er mit Seiner Ge- 
Schmacksrichtung von dem Durchschnitt der um dieges Alter bei 
Kindern meist angetroffenen Ernährungsweise deutlich abweicht, 
und Julius dürfte Sich, wenn auch nicht gleich weit wie Sein Bruder, 
von dem Durchschnitt der Ernährungsweise der Kinder in der 
Richtung auf den Fleischgenuß entfernen. 
Kinige Worte über die Getränke der beiden Kinder, mit denen 
Sie Ihren Durst zu stillen pflegten. Bis etwa zum Sommer des 
Jahres 1927 kannten gie als durststillende Mittel eigentlich nur 
Milch und Kakao. Erst dann haben gie angefangen, allerdings nur 
ausnahmsweise, ihren Durst auch mit reinem Wasgser, mit Tee 
höchster Verdünnung 80wie mit Wasser zu lösSchen, denen Frucht- 
Säfte (Himbeer, Zitrone) zugegetzt waren. Da das für beide Kinder 
zu gleichem Zeitpunkt: gSesSchehen 1st, 80 hätte man erwarten Sollen, 
daß Theodor als der ältere Sich früher von dem Kindlichen Milch- 
genuß loslöSen würde, aber das Gegenteil wurde festgestellt, denn 
Julius wandte Sich den neuen Getränken mit größerer Liebe zu und 
erklärte eines Tages, Wasser mit Satt 8ei doch das beste Getränk. 
Immerhin blieb trotz dieser Erklärung auch bei ihm wie bei Seinem 
Bruder die Milch das am meisten genommene Getränk, gie dürfte 
bis zum heutigen Tag etwa */, von dem ausmachen, was überhaupt 
an durststillenden Mitteln genommen wird. Fast gänzlich ver- 
drängt wurde sie durch Zitronenlimonade nur, als Theodor an 
Masern erkrankt war; nach den ersten Fiebertagen fand der Patient 
Sich allerdings Schnell wieder zur Milch zurück.
	        

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