Full text: Zeitschrift für Kinderforschung - 34.1928 (34)

192 D. Katz: 
größeres Bedürfnis nach Fleisch hat und bei dem Verguch Streng. 
vegetarischer Lebensweise Sich nicht wohl gefühlt hat. Nun Sieht 
man aber ohne weiteres, daß die Bezugnahme auf Erblichkeits- 
verhältnisse eine Zurückschiebung des Problems bedeutet, um 
dessen LögSung wir bemüht gind, des Problems nach den Be- 
ziehungen zwischen Geschmacksrichtung und Körperkonstitution. 
Wir stellen die Hypothese auf, daß Sich in den verschiedenen 
Appetitsrichtungen verschiedene individuelle Bedürfnisge des 
psychophysSiSchen Organisemus auswirken und fragen, um einein 
Schritt weiter zu tun: wie Steht es mit der Körperkonstitution der 
beiden Kinder? 
Vergleicht man die beiden Brüder nach ihrem Körperbau, S0 
Stellt man deutliche, gar nicht zu überschende Unterschiede 
zwisSchen ihnen fest. Bei einem Solchen Vergleich hat man natür- 
lich den Altergunterschied zu berücksgichtigen, da in diesen jungen 
Jahren ein Altersgunterschied von 1 Jahr 8 Monaten Sehr viel be- 
deutet. Jüngere Kinder zeigen bekanntlich eine Stärkere Ge- 
drungenheit der Leibesformen als ältere Kinder. Aber diese alters- 
typische Differenz ist nicht 80 beherrschend, daß ihr gegenüber die 
Anlage nichts bedeutete. Wir verließen uns bei dem Vergleich der 
Körperkonstitution der beiden Kinder nicht auf das Gedächtnis, 
das in diesen Dingen Ja recht unzuverlässig ist, Sondern wir legten 
Pphotographische Aufnahmen zugrunde, die von den Kindern ge- 
wonnen worden waren, als Sie Sich im gleichen Alter befunden 
hatten. Dabei ergab gich nun, daß Theodor viel Schlanker und 
Schniger als Sein Bruder gebaut ist, der der massSivere, gedrungere 
iSt. Bei ausgezeichnetem Appetit und bester Krnährung hat es 
Theodor nie zu stärkerem FPettangatz gebracht. Seine Haut ist 
dünn und läßt die darunterliegenden Muskeln und Knochen deut- 
Jich ertasten. Julius ist bei einer gleich Starken Nahrungsaufnahme 
zu rundlichen Formen mit gut vergchleifenden PFettpolstern ge- 
kommen. Seine Haut ist dicker und läßt die darunterliegenden 
Partien weniger deutlich beim Betasten erkennen. Die Tendenz 
zum Schlanken bei Theodor, zum Rundlichen bei Julius zeigt Sich 
nicht nur an Rumpf und Gliedmaßen, Sondern wiederholt gich 
auch an Fingern und Zehen, die beide bei Theodor von auffälliger 
Schlankheit Sind. Knüpfen wir an Unterscheidungen an, die von 
Kretsgchmer in die Lehre vom Körperbau eingeführt: worden 
Sind, 80 Könnte man mit aller Vorgicht Sagen, daß Theodor dem 
Jeptosomen, Julius dem pyknischen Typus zuzuneigen Scheint, aus 
dem Sich bei entsprechender Betätigung durch Turnen und Sport
	        

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