Full text: Zeitschrift für Kinderforschung - 34.1928 (34)

Psychologische Probleme des Hungers und Appetits, insbezondere beim Kinde. 193, 
Späterhin der athletische Typus entwickeln kann. * Hinsichtlich: 
ihrer Körperkonstitution haben die Kinder Erbschaften angetreten.. 
"Theodor vom . Großvater mütterlichergeits, Julius vom Großvater 
väterlichergeits. Auch andere körperliche Kigenschaften der beiden: 
Knaben Scheinen diesgem Erbgang zu gehorchen. Theodor hat: 
braune Augen, braunes glattes Haar und eine bräunliche Pigmen-- 
tierung der Haut; Julius hat graublaue Augen, leicht gelocktes. 
blondes Haar und eine Haut mit ausgesprochen Schwacher Pigmen-- 
tierung. Man versteht nach der Namhaftmachung dieser Diffe- 
renzen, daß die Kinder Sich wenig ähnlich Sehen. Wir haben 
oben die Frage aufgeworfen, ob eine Korrelation zwiSchen der: 
Appetitsrichtung und der Körperkonstitution der Kinder bestehe. 
Was bis jetzt über die Körperkonstitution gesagt worden 1st, betrat 
die äußeren Kigenschaften der Kinder. Es darf dem vielleicht ein. 
Wort über die Krankbheitsneigungen der Kinder hinzugefügt werden. 
die doch auch 80matisch bedingt Sein dürften. Von ernsteren. 
Krkrankungen Sind beide Kinder glücklicherweise bis jetzt ganz 
verschont geblieben, von leichteren Erkältungen Julius mehr als. 
Theodor. Unter einem Keuchhusten, der in leichter Form auf-- 
trat, bat Julius auffällig wenig gelitten, und wenn er nicht nur: 
nichts von Seinem Gewicht einbüßte, Sondern dieses 80gar noch 
ein wenig verbegserte, 80 Scheint das kennzeichnend für Seine Kern- 
hafte Gesundheit zu Sein. Da es vielleicht für die Untersuchung- 
der zwischen kindlicher Körperkonstitution und Anfälligkeit für 
infektiöge Krankheiten bestehenden Korrelation von Interesse Sein 
kann, 80 8e1 noch bemerkt, daß Theodor von einer Infektion mit 
Keuchhusten völlig verschont geblieben ist, obwohl er ganz wie- 
Sonst mit Seinem Bruder zusSammen war. Kbenso überragschte, daß 
Julius nicht infiziert wurde, als Theodor an Masgern erkrankte und. 
mit Seinem Bruder wie 80nSt zuSammen gelassgen wurde, da wir be- 
Stimmt damit rechneten, daß eine Infektion bereits erfolgt gei. 
Die Hypothese von der Beziehung zwischen Körperkonstitution 
und Appetitsrichtung Scheint uns nicht zu gewagt zu Sein. PFast 
möchte man Sagen, es erscheine verständlich, daß die größere 
Derbheit des Körpers bei Julius auch eine Stärker eiweiß- und fett- 
haltige Ernährung erwarten lasSe, während die grazilere Bauart 
'Theodors mit einer leichteren, mehr Sstärke- und zuckerhaltigen 
Kost in Kinklang Stehe. Verständlich erscheine auch, daß Julius. 
beim Essen überhaupt der größere Realist 861 und stärker als Sein 
 
 
1 Man vgl, bierzu Hans W. Gruühle, Der Körperbau der Normalen. Archiv: 
für PSychiatrie und Nervenkrankheiten Bd. 77, 1926.
	        

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