Full text: Zeitschrift für Kinderforschung - 34.1928 (34)

194. D. Katz: 
Bruder auf gute, reichliche wenn auch einfache Kost ausgehe. 
Nun, es Soll zu dem ohnehin Schon starken Mißbrauch, der In der 
neueren Psychologie mit dem Begriff „versteben“ getrieben wird, 
nicht ein weiterer hinzugefügt werden. Wenn Beziehungen zwiSchen 
Jer Körperkonstitution des Kindes und Seiner Appetitrichtung von 
der Art, wie wir Sie hier glauben feststellen zu können, wirklich 
bestehen, 80 handelt es Sich nicht um einen Strukturgegetzlichen, 
<ondern um einen rein empirisch-kausalen ZuSammenbhang, und die 
Wahrscheinlichkeit dieses Zusammenhangs bestimmt gsich ganz 
dadurch, wie weit in Zukunft ungere Feststellungen eine sStatistische 
Bestätigung finden werden. 
Es bot sich bei unsgeren Kindern auch eine Gelegenheit, das 
Verhältnis der Motivationsstärke von Hunger und Durst zueinander 
in einigen Fällen zu bestimmen. Daß es durstig Sei, meldet das 
Kind, Sobald es dazu durch die Sprache oder durch andere Aus- 
'Arucksmittel in der Lage ist, viel häufiger Spontan, als daß es 
hungrig gsei, präziser gegagt: es verlangt viel häufiger Spontan nach 
'einem Getränk als nach einem Nahrungsmittel. Biologisch nimmt 
'der Durst in jeder Hingicht eine Vorzugsstellung vor dem Hunger 
' ein. Durstqualen Sind Schlimmer als Hungerqualen, mit Durst- 
'qualen, aber nicht mit Hungerqualen wird Tantalus nach dem 
Mythos bestraſt. Hinter dem mächtigen Drang zur Stillung des 
Durstes wird die Bedeutung des Wassers im Haughalt der leben- 
digen Substanz Sichtbar. Es war bei ungern beiden Kindern die 
Regel, daß Sie morgens, und Solange Sie nachmittags Schliefen, auch 
nachmittags unmittelbar nach dem Auiwachen um Milch baten. 
wovon Sie dann auf einen Zug jedes etwa */, Liter tranken. Als 
'Späterhin neben die Milch noch andere Getränke als durststillende 
Mittel traten, konnten diese die Milch nach dem Aufwachen 
ersetzen und taten dann dieselbe durststillende Wirkung. Ver- 
langen nach einem Getränk äußert Sich, ohne daß ein Solches in 
der Umgebung des Kindes bereits Sichtbar wäre, das Durstgefühl 
iSt 80 Stark, daß es die Mittel zu Seiner Behebung vorstellungs- 
mäßig in das Bewußtsein des Kindes zu führen vermag. Beim 
Erwachsenen gilt diesger Satz auch für das Hungergefühl, indessen 
Scheinen die Verhältnisse beim Kind etwas anders zu liegen. Ein 
Kind kann objektiv Sehr ausgehungert Sein -- was daran zu 
erkennen ist, daß es, nachdem man es an den Tisch gegetzt hat. 
eine für Seine Verhältnisse ungewöhnlich große Menge von Speisen 
vertilgt --- und dennoch verlangt es durchaus nicht immer ip 
:Solchem“: Zustand Spontan nach Speise. Es verlangt nicht danach,
	        

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