Full text: Zeitschrift für Kinderforschung - 34.1928 (34)

3200 A. Gregor: 
Station, welche versgcbiedenen Ansgtalten ihre Zöglinge zuweist. Die 
Individualität des Falles, die Kinrichtungen und Ausbildungsmöglich- 
keiten, über welche die einzelnen Anstalten verfügen, Spielen dabei die 
wesgentlichste Rolle. 
Das Moment der Untersuchung und psSychologisch-pädagogisch- 
psSychiatriScher Durchdringung wird am gchärfsten in der S0ogenannten 
Beobachtungsstation betont, welche in diegem Ausmaße Schon weniger 
dem reinen Interesse der Anstalt, als vielmehr jenem des Amts-, 
Jugendgerichtes und Jugendamtes dient. Ungerer Station in Flehingen 
wurden 1927 von den genannten Behörden 75 Fälle zu Sechswöchent- 
licher Beobachtung zugewiesen. Die Qualität derartiger Beobachtungs- 
fälle habe ich bereits in einem früheren Artikel? charakterisiert, halte 
es aber für geboten, eine Zahl von 100 Fällen besonders zu bearbeiten, 
um die uns heute wesgentlich interesSierenden Fragen Schärfer heraus- 
zulögsen.? 
Die besprochene Organisation hat neben ihrer praktisch-pädagogischen 
Bedeutung auch noch den Zweck möglichster Aufnahmebereitschaft. 
Wer in der Anstaltserziehung Steht und Zöglingsschickgale verfolgt, 
wird mit mir dem Prinzipe huldigen, keinen Zögling abzuweisen 
und alle Jugendlichen, bei denen Ansgtaltsgerziehung aus- 
geSprochen wird, 80 Schnell als möglich aufzunehmen. Von 
Seiten der Anstalten muß alles geschehen, um der Ver- 
Schleppung der VYälle mit ihren für den Zögling nachteiligen 
Folgen vorzubeugen.*? ' 
Ks erbebt Sich natürlich Sofort die Prage, wie heute, wo Neu- 
bauten immer Seltener werden, bei steigenden Bedürfnisgen genügend 
Plätze geschaffen werden können. Zunächst hilft die Beobachtung 
zur Ausscheidung jener Fälle, bei denen Angtaltserziehung vermieden 
werden kann. Wir kommen aber direkt auf pädagogisches Gebiet, 
wenn wir fragen, ob die Aufnahme neuer Zöglinge auf Kosten älterer 
Zöglinge geschehen darf, indem man die Anstalten überfüllt oder früher 
entläßt, Niemand wird der Überfüllung oder der vorzeitigen Entlaggung 
das Wort reden. Allein wenn Zöglinge bis zur Unerziehbarkeit ver- 
wahrlogen Sollen, weil gie in keiner Anstalt Platz finden, dann wird 
man Sie doch lieber Stärker häufen, und die EntlassSungen Soweit als 
möglich mit den Aufnahmen in HKinklang zu bringen Suchen. 
? Gregor, Zur Psychologie und Pädagogik der Yürgsorgezöglinge. Zeitschrift 
für Kinderforschung. Bd. XXXII, 8. 308, 1926. 
? Badische Anstaltsblätter Heft 7. Im HKrscheinen. 
* Gregor, Zur Kritik der amtsgerichtlichen Verfügung von Anstaltgerziehung. 
Ztschr. f. Kinderforschung Bd. XXXI, 8. 197, 1927.
	        

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