Full text: Zeitschrift für Kinderforschung - 34.1928 (34)

Zar Pädagogik des Erziehungsheims Schloß Flehingen 1927. 201 
In Flehingen ist der Zöglingsbestand über die Zabl der pädagogisch 
für richtig gehaltenen Belegung mit 150 zeitweise bis über 170 ge- 
Stiegen, und hat gich 1927 fast Stets über 160 gehalten. Wir haben 
234. Fälle entlassen, um 230 in diesem Jahre aufnehmen zu können. 
Durch zahlreiche Überweigungen nach anderen Anstalten und durch 
Ausgegtaltung der Nachfürgorge konnten wir geeignete Fälle nach 
kürzerer Erziehunggzeit entlassen aber auch Raum Schaffen, um da, 
wo es erzieherigeh nötig war, Zöglinge auch 2 und 3 Jahre behalten 
zu können. 
Der badiSche Fürgorgezögling. 
Es ergcheint ein gewagtes Unternehmen, ohne auf Kinzelfälle ein- 
zugehen, ein umfangreiches Zöglingsmaterial Schildern zu wollen. Wer 
Hinzelfälle aus ungerer Anstalt näher kennen lernen will, den möchte 
ich auf an anderer Stelle? gegebene Darstellungen verweisen. Hier 
kommt es auf eine allgemeine Charakteristik an, die zum Verständnis 
der Hrziehunggarbeit und ihrer Erfolge führen Soll. Ein Solcher Typ 
iet das Produkt der besonderen Individualität, ihrer Rasgeneigentümlich- 
keit, eigenartiger pathologischer Züge, welche den meisten FürsSorge- 
zöglingen anhaften, Kigentümlichkeiten der Volksschicht, der Milieu- 
einflüsse, der Verwahrlogungswirkung, der erzieherischen Behandlung 
und gegengeitigen Beeinflussung der Zöglinge. Wer von Sprangers 
„Psychologie des Jugendalters* oder von Tumlirzs „ReiteJahren“ 
herkommt, wird vielfach den Eindruck gewinnen, vor ganz anderen 
Menschentypen zu Stehen. Die folgende Darstellung gewinnt dadurch 
einen objektiven Wert, weil gie zum großen Teil den Niederschlag aus 
166 von verschiedenen Familienvätern gegebenen Schilderungen ihrer 
Zöglinge bildet, nach denen ich kürzlich die offiziellen Halbjahrsberichte 
redigiert habe. Da es .Sich um Fälle handelt, die z. T. ganz Kurz, 
z. T. aber auch jahrelang dem Anstaltsverbande angehören, glaube ich 
auch in dieger Hingicht zu einem Durchgschnittstyp zu gelangen. Der 
Durchgchnitt ungerer Zöglinge ist haltlos, Selbstungicher, intellektuell 
unternormal, wenig aktiv, bescheiden, gutwillig, fügsam, wenig arbeits- 
froh, ohne begondere Anhänglichkeit an den Sselbstgewählten Beruf; 
gemütlich ansprechend aber im Gefühlsleben wenig differenziert, nicht 
oder nur Schwer begeisterungsfähig, ohne nachhaltige Interessen, zu 
keinen Stärkeren Affektschwankungen neigend, den Angehörigen an- 
1 Gregor, A., Die Fürsorge für moralisch Minderwertige. Handbuch der 80z. 
"Hygiene u. Gegundheitsfürgorge. Bd. 4. Berlin, Springer. -- Gregor, A., Zur 
Pädagogik psychisch abnormer Fürgorgezöglinge, Jahrbuch d. Erziehungswissenschaft 
u. Jugendkunde. Union Deutsche Verlagsgesellschaft Bd. I.
	        

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