Full text: Zeitschrift für Kinderforschung - 34.1928 (34)

204 A. Gregor: 
erziehung nicht ohne zwingenden Grund zu Sehr in die Länge 
zu ziehen, Übergangsheime zu Schaffen und die Angtalts- 
erziehung durch eine planmäßige, gut organigierte und wirk- 
Same offene Fürsorge zu ergänzen. 
Die oben angedeuteten KinflüSse der Gruppe und Masse auf den 
Angtaltszögling hat vor kurzem Schröteler? eingehender behandelt. 
Er wendet in dankenswerterweise die in der Literatur niedergelegten 
Kenntnisse der Massenpsychologie auf das Internatsleben, in erster 
Linie die Mädchenerziehungsanstalten an. Seinen klaren Formulierungen 
wird Jeder Anstaltspraktiker beipflichten müssgen ; in Jeder Anstalt kann 
es Sich nur um ein Mehr oder Weniger der von ihm aufgezeigten 
Massenwirkungen handeln. Da Somit die Diskussion von dieger Seite 
eröffnet wurde, erscheint es wertvoll, die besonderen Ausprägungen 
der einzelnen Faktoren an verschiedenen Orten festzustellen. | 
Bei der völligen Aufteilung ungerer Zöglinge in Gruppen von 
15-25 Jungen, die meist zuSammen arbeiten, essen, Schlafen und ihre 
ſreie Zeit verbringen, tritt in ungerer Anstalt der Kinfluß der Masse 
gegen den der Gruppe zurück. Zweifellos ist aber auch hier der 
Massenwirkung Raum gegeben. Sie findet bei Versammlungen größerer 
Zöglinggmengen in der Schule, bei religiögen Übungen, bei Festlich- 
keiten, Musterungen, Turnen und Sport statt; gelegentlich ist auch das 
Überspringen einer Idee von einer Familie in eine andere nachweisbar, 
maß- und richtunggebend bleibt aber die Gruppe. Die meisten der- 
Selben bilden Handwerkergruppen, die von einem Meister oder Lehrer 
als Vamilienvater geführt werden. Neben diegem wirkt der Ordner 
bestimmend, welcher aus dem Kreise der Zöglinge von diesen Selbst 
gewählt wird, wodurch die Tradition der Familie Sich aufrecht erhält. 
Bei der in ungerer Angtalt auffälligen Seltenheit von Führernataren, 
gewinnt der Ordner, der meist eine Solche Vorstellt, Sehr weitgehenden 
Kinfluß, jüngere Zöglinge gleichen Sich gewöhnlich rasch dem Geist 
der Familie an; pasSive oder prinzipiell anders geartete Naturen können 
Sich abseits halten und werden wenig beachtet. Nur wo eine Indivi- 
qualität auftritt, die über eigene Werte verfügt, Setzt Sie Sich gewöhn- 
lich rasch durch, beeinflußt den Geist der Familie und erzeugt im 
besonderen Vall Spaltungen in ihr. 
! Schröteler, Zur Soziologie der Anstaltserziebung. Jugendwohl 16. Jahrg., 
Heft 5, 1927.
	        

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