Full text: Zeitschrift für Kinderforschung - 34.1928 (34)

Geschwisterschaft, Schultüchtigkeit umd Charakter. 17 
deuten, 80 würde keinesfalls möglich gein, eine größere Geschwister- 
zahl der Kinder mit geringer Schultüchtigkeit herauszulesen. 
Fassgen wir je drei Neuntel zusammen, 80 zeigen die Klasgendrittel 
vielmehr das Gegenteil: 
Klassendrittel: 1. 2 es 
(Geschwisterzahl ' Kn. + 1,64 1,80 1,40 
M... vo 171 1,95 1,62 
Aus diegen Werten könnte man bestenfalls herauslesen, daß 
die Kinder mit niedrigen Schulleistungen im Durchschnitt weniger 
Geschwister haben als die Kinder mit guten und mittleren Schul- 
leistungen, -- also das Gegenteil des von F ürst Gefundenen. 
Aber die Berechnung Solcher Durchschnittswerte fußt auf der 
unbewiegenen und, wie Sich zeigen wird, unhaltbaren Annahme, 
daß die Schultüchtigkeit der Kinder eine einfache Funktion der Ge- 
Schwisterzahl Sei, 80 daß das arithmetische Mittel der individuellen 
Gegchwisterzahlen als Maßstab Verwendung finden dürfte. Diese 
Annahme ist unbewiesen; es kann doch Sein, daß es ein Optimum 
der Geschwisterzahl gibt, was die Begünstigung von Schul- 
leistungen anbetrifft, und für das Vorhandensgein eines Solchen 
Optimums Spricht 80gar Sehr viel. Allgemein macht man die 
Vermutung, daß geschwisterlosge Kinder milieugefährdet Sind, 
andergeits auch wieder Kinder aus zu kinderreichen Familien, und 
viele pädiatriseche Befunde Stützen diese aus alltäglichen Er- 
fahrungen erwachgenen Vermutungen. Daß Fürst und PF. Lenz 
diese Möglichkeit außer acht ließen, liegt in der Richtung ihrer 
Grundansgehauungen, nach denen Schulleistungen im wesentlichen 
auf vererbte Anlagen zurückzuführen Sind, Anschauungen aber, 
die wir nicht zu teilen vermögen. 
Ob es ein Optimum der Familiengestaltung im bezeichneten 
Sinne gibt, muß Sich herausstellen, wenn unsere Berechnung den 
umgekehrten Weg geht, wenn wir für jede Art der Geschwister- 
Schaft den durchschnittlichen Klassenplatz der zugehörigen Kinder 
berechnen. Dann zeigt Sich allerdings etwas anderes als eine ein- 
fache Korrelation von Geschwisterzahl und KlasSenplatz: 
Es Saßen 
geschwisterlose Kn durchschn. im 5,03., desgl. Md. im 4,70. Neuntel 
eingeschwistrige » » »" 9 24 -" » » " 9,66. » 
zweigeschwistrige » » „ 4.74... „ » 467. » 
dreigeschwiztrige » . „ h18,, „ „ » 906. „ 
vier- u. mehrgeschw. .. . „ 463. „. „» » 612. » 
1 Siehe Fußnote auf 5. 16. 
[LO 
Zeitschrift für Kinderforschung. 34. Band.
	        

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