Full text: Zeitschrift für Kinderforschung - 34.1928 (34)

206 A. Gregor: 
der Pädagogik keine Verletzung erfährt, Sobald der Zögling geinen 
ärztlich pädagogieschen Vertreter findet. Ob natürlich vor Kinleitung 
der Fürsorgeerziehung, bezw. vor HKinweisung des Zöglings in ungere 
Anstalt, Pädagogik und Jugendkunde gebührend zur Geltung kommen, 
kann ich nicht verbürgen; aber gerade durch die Diskussgion der in 
der Fürsorgeerziehung Sich ergebenden Fragen ist ein immer tieferes 
Kindringen der Jugend- und Amtsrichter in pädagogisches Gebiet 
gegichert. 
Daß die Pädagogik in der Frziehungsanstalt durch die Eltern und 
Angehörigen des Zöglings Ständig bedroht wird, ist ebenso traurig, wie 
allgemein bekannt. In den XKreisen, aus welchen unsgere Zöglinge 
Stammen, Scheinen Immer noch die unmittelbarsten materiellen Interesgen 
völlig das Feld zu beherrsgchen und alle höheren Pflichten der Jugend 
gegenüber zu ertöten. Allein, von Fällen der Trunksucht, Schwerer 
moralischer Verkommenheit und hocbgradigem Schwachsinn abgegehen, 
gelingt es, -- wenigstens in Baden, -- durch Takt und Ausdauer 
auch noch eine exzieherische Behandlung der Eltern in befriedigender 
Weise durchzuführen. 
Als zweites Prinzip ist der pädagogiSche Bezug anerkannt, 
welcher den Kern und Ausgangspunkt unsgerer Erziehungsarbeit bildet. . 
Die Wegengart der badischen Bevölkerung ermöglicht eine Sehr rasche 
Bindung des Jugendlichen an den Anzgstaltsleiter, der Sich zunächst. 
mit ihm begehäftigt. Später wird diese Bindung auf den Familien- 
vater übertragen, dessen Aufgabe es ist, dieses Verhältnis hinüber zu 
leiten zu der „Bindung mit Solchen idealen Sachlichkeiten, mit Solchen 
idealen Zielen, die über den Augenblick dieses menschlichen Verhält- 
nisses hinausreichen.“ 1 Der pädagogische Bezug hat bei Psychopathen 
und Verwahrlosten noch die besondere Bedeutung, Minderwertigkeits- 
gefühle zu begeitigen, den Jugendlichen mit Selbstvertrauen zu erfüllen 
und ihm das Bewußtseim zu vermitteln, daß er in der mensgchlichen 
Gegellschaft eine Stelle auszufüllen hat. Im Verhalten zu der Angtalt- 
wird durch persgönliche Bindung, das bei PSychopatben 80 häufige 
Mißtrauen gegen Höhergestellte und gegen Behörden begeitigt, das im 
vorhergehenden Verfahren vielfach höhere Wellen Schlägt. 
Von diesem Bezugssystem aus findet auch die bei der DigSkussion der 
FYürsorgeerziehung vielfach umstrittene Frage nach Autorität und Dis- 
ziplin ihre Sinngemäße LöSung. Während die Werkstätten und Sonstige 
Betriebe ihre Eigengesetzlichkeit haben, welche in und außerhalb der 
!) Litt, Grundzüge der modernen Pädagogik. Der Erziehungsgedanke im modernen 
Jugendrecht. Düsgeldorf 1927.
	        

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