Full text: Zeitschrift für Kinderforschung - 34.1928 (34)

Zar Pädagogik des Erziehnngsheims Schloß PYlehingen 1927. 207 
Ansgtalt in gleicher Weise gilt, 80 iSt die Gemeingchaft auf den Familien 
durch den natürlichen Takt und den Selbstverständlichen Respekt geregelt, 
welcher der deutschen Jugend auch heute noch vor erfahrenen Männern 
eigen iSt. Der pädagogische Bezug Soll die Zeit des Anstaltsaufenthaltes 
überdauern und in der Nachfürgorge die Kingliederung ins Soziale 
Leben vermitteln. 
Nohl hat das von mir aufgestellte Prinzip der aktiven 
Pädagogik übernommen. Unter. diesem Begriff ist zweierlei zu 
verstehen: die Finstellung des Zöglings in den HFrziehungsplan als 
mitwirkendes Klement. Diese erfolgt in dem Augenblick, wo ihm die 
Bemühung der Angtalt, als in Seinem Interesse gelegen, bewußt wird 
und er die Überzeugung gewinnt, durch die ihm auferlegten Leistungen 
Sein eigenes Wohl zu fördern. Ferner ist damit die Richtung der 
biSher meist in diffuser Weise zersplitterten Kräfte auf ein bestimmtes 
Zael bezeichnet. Die pädagogische Aufgabe liegt hier in der Weichen- 
Stellung im Sinne der von Lind worsky? vertretenen WillensauffasSung, 
Wir dürfen uns nicht verbehlen, daß damit nur ein Ausgangspunkt 
gewonnen ist und mit ungerem Prinzip Kräfte mobil gemacht und 
gerichtet werden. Wir wissen aber Sehr wohl, daß bei PSychopathen 
nach jedem Aufschwung ein Abfall droht, Seine Kräfte rasch erlahmen 
und der ersten pädagogischen Aufgabe die weit Schwerere folgt: die 
vergagenden Kräfte zu Stärken. Ich möchte für die Durchführung 
dieses Prinzips auf die Ausführungen Lückeraths*8 beim II. und 
DI. Heilpädagogischen Kongresse verweigen. 
BerufsSausbildung, 
Die Erlernung. eines Berufes bildet einen Hauptpunkt ungeres 
Ürziehungsprogrammes. Unsere Erfahrung zeigte, daß die Handwerke 
die besten Erziehungsmittel bilden: ihnen gleich kommt der Gärtnerei- 
beruf, der ebenfalls eine vorgeschriebene Lehrzeit hat und mit einer 
Gehilfenprüfung abgeschlosgen wird. Daher werden 38/,--*/; ungerer 
Zöglinge nach dieger oder jener Richtung eingestellt, der Rest in der 
 
 
1 Gregor, Über aktive Pädagogik in der Fürgorgeerziehumng. Zentralblatt f. 
Vormundschaftswegen XIV. Jahrg., Heft 8, 1922. 
? Lindworgky, Der Wille, Seine Erscheinung und Seine Beherrschung 3. Aufl. 
Leipzig 1923. --- Die Willensdefekte vom Standpunkt der Normalpsychologie. Be- 
richt über den 1. Kongreß für Heilpädagogik. Berlin 1923. 
3 Lückerath, Die Erziehung männlicher PSychopathen in den Anstalten. Be- 
richt über den II. Kongreß für Heilpädagogik. Berlin 1925. --- Über heilpädagogische 
Erziehung jugendlicher Krimineller. Bericht über den III, Kongreß für Heilpädagogik, 
Berlin 1927.
	        

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