Full text: Zeitschrift für Kinderforschung - 34.1928 (34)

208 A. Gregor: 
Landwirtschaft, in Haus, Küche, Wägcherei beschättigt, z. T. auch nur 
vorübergehend, um Später doch noch einem Handwerke zugeführt 
zu werden. 
Bekanntlich droht der handwerklichen Augbildung ungerer Zög- 
linge heute eine Krise. Man hat erkannt, daß die Gewerbe, welche 
traditionell in den Erzichungsanstalten betrieben werden, z. T. nicht 
mehr zeitgemäß Sind und weiß, daß viele unsgerer Zöglinge infolge 
ihrer psychischen Unzulänglichkeit keine tüchtigen Handwerker werden 
können. So ist auch beim letzten allgemeinen FYürgorgetag in Hamburg 
an die Anstalten der Ruf ergangen, ihre Betriebe umzugestalten und 
Sie dem Arbeitsmarkt anzupassen, und Jene Angsgtalt läuft Gefahr als 
rückständig angesgehen zu werden, welche Sich keimen fabriksmäßigen 
Ansgtrich zu geben vermag. Wir wollen gerne ungere Bereitwilligkeit 
erklären, den veränderten Arbeitsbedingungen zu entsprechen, 80 weit 
es mit der EKxistenz der Anstalt und ihren erzieherischen Aufgaben 
vereinbar ist. Wir alle konnten den Niedergang des kleinen Hand- 
werkers und das KEmporgchießen von Fabriksbetrieben erleben, fragen 
uns aber, ob gich letztere im Kleinen nach den Anstalten verpflanzen 
Jassen. Der maschinentechnische Referent des badischen Ministerinms, 
der auch ungere Ansgtalt berät, Steht ungeren modernsten Bestrebungen 
noch zögernd gegenüber. Sobald er uns einen zeitgemäßen Betrieb 
nennen wird, der in einer Frziehungsanstalt ohne übermäßigen Kosten- 
aufwand eingeführt werden kann, den erzieherischen Forderungen nach 
einer gedeihlichen Entwickelung der Persönlichkeit und den praktischen, 
nach genügendem Absgatz erzeugter Fabrikate entspricht, dann Steht 
der Umstellung der traditionellen Betriebe nichts mehr im Wege. 
Der Prüfstein für die Brauchkarkeit einer Ansgtalt ist heute darm 
gelegen, ob Sie überhaupt über Betriebe verfügt, welche die volle Aus- 
bildung höher Stehender Zöglinge zu leiten vermögen; es muß die 
Möglichkeit bestehen, den Ansprüchen Solcher Jungen zu genügen 
und gie als tüchtige Handwerker ins Soziale Leben Stellen zu können. 
Ich denke dabei an die höher stehenden Gewerbe des Schlogsgers, 
Schreiners, Sattlers, Schneiders. Diese können begabte Zöglinge auf- 
nehmen und zu tüchtigen Gegellen heranbilden, die hoffnungsvoll auf 
den Arbeitsmarkt treten. Den heute nicht mehr blühenden Gewerben 
wie Korbmacherei und Schuhmacherei führen wir weniger begabte 
Zöglinge zu, um 8ie SyStematisch an Arbeit überhaupt zu gewöhnen. 
Findet ein 80 vorgebildeter Schühmacher Aufnahme als gelernter 
Arbeiter in einer Schuhfabrik, dann- hat er ohne Arbeitsvergäumnis 
ein Berufsziel erreicht; zieht er nach der Entlassung einen anderen 
Beruf vor, dann kann er als arbeitsgewöhnte und moralisch fühlende
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.