Full text: Zeitschrift für Kinderforschung - 34.1928 (34)

210 A. Gregor: 
auseinander gehalten und die Dauer der Anstaltserziehung berück- 
Sichtigt wird. 
Zweifellos haben die in der Tabelle enthaltenen Zahlen einen 
relativen Wert, da Sie das Verhalten des Zöglings in der Angtalt zum 
Ausdruck bringen. Wir gind aber in Baden geit kurzem auch in der 
Lage, den prognostiSchen Wert dieser Zahlen errechnen zu können. 
Dies ermöglichte eine im badischen Justizministerium von Ministerial- 
rat Umhauer vorgenommene Statistik!, welche die verschiedenen Ka- 
tegorien der guten, gebesserten und ungebesgerten Zöglinge über 
5 Jahre nach der Anstaltsentlassung vertolgt, wobei als Maßstab für 
Beurteilung die Tatsache genommen wurde, ob ein aus der Angtalt 
entlassener Zögling in den folgenden Jahren zur gerichtlichen Ver- 
urteilung kam. Diese Statistik hat zunächst das bemerkenswerte 
Regultat ergeben, daß im ersten Jahre nach der Entlasgung die meisten 
Rückfälle eintreten, daß diese Sich Sodann in den folgenden Jahren 
fortschreitend Sehr erheblich vermindern und nach 5 Jahren nur 
noch vereinzelt auftreten. Danach kann also, wer Sich 5 Jahre lang 
nach Seiner Entlassung aus der FYürgorgeerziehung strafirei gehalten 
hat, -- von unberechenbaren Zufällen abgesehen -- aller Wahr- 
Scheinlichkeit nach als Sozial gelten. Diese Statistik hat ierner ge- 
zeigt, daß 82,4--92,5 2%; der von uns als gebesgert oder mit gutem Er- 
folg entlassgenen Zöglinge Sich in den gozialen Mechanigmus ein- 
gegliedert haben. . 
Bei dieser Untersychung wurden die Seit 1921 entlassenen Zög- 
linge erfaßt. Wegentlich ungünsgtiger gestalten Sich die Erziehungs- 
erfolge bei der eingangs erwähnten Nachuntersuchung von Frau 
Adelheid Fuchs. Yon ihren 1910 entlasSenen 65 Fällen hielten 
Sich wirklich einwandfrei 12, relativ gute Führung zeigten 4, 27 Fälle 
waren leicht kriminell und können nach ungerer Auffasgung nicht als 
gebesgert angescehen werden, 22 wurden Schwer kriminell. Für diesgen- 
Unterschied der heutigen Statistik gegenüber ist nicht das Zöglings- 
material verantwortlich zu machen. Aus Grühles Darstellungen ist 
zu entnehmen, daß in früherer Zeit nicht wegentlich anders geartete 
Zöglinge nach Plehingen kamen und auch die Altersgruppen den 
heutigen ähnlich lagen. Völlig geändert hat Sich aber geitdem die 
pädagogische Situation und die hier erzielten Fortschritte bedingen den 
Umschwung in den Erziehungsergebnissen. 
Von den 234 Entlassenen war bei 180 das Urteil „guter Erfolg“ 
oder „gebesgert“; ziehen wir das Mittel aus den in der oben erwähnten - 
 
- 1 Denkschrift über die Fürgorgeerziehung. Karlsrube 1927.
	        

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