Full text: Zeitschrift für Kinderforschung - 34.1928 (34)

Jugendstrafvollzug und Heilpädagogik 915 
iSt, da er Ja nicht nur Lehrer, Sondern Fürsgorger, Bibliothekar, Ver- 
waltungsbeamter u. a. iSt. Die Gefahr, zu vereingamen und den Zu- 
Sammenbhang mit der zeitgemäßen Psychologie und Pädagogik zu ver- 
Iieren, ist groß und die Erziehungstendenz des Strafvollzuges ist in 
dem Ausmaße gefährdet, wie er von den Fortschritten der Erziehungs- 
wiSSenSchaft zunehmend in emen größeren Abstand gerät. 
Da war es mir der Sache wegen eine große Freude und ein 
reicher Gewinn, daß ich -- als einziger Strafvollzugsbeamter --- an 
der „1. Heilpädagogischen Woche“ in Berlin teilnehmen durfte. 
Zwar wurde viel Schulheu und WissSensstroh geboten, und, „wie 
es die Gründlichkeit der Deutschen nun einmal erfordert, begannen 
Systematik und Typologie, Methode und Statistiken, GeSetzeSparagraphen 
und Übersichten und Genoeralübersichten immer bei Adam, so daß 
die Gefahr für die Teilnehmer besonders groß war, vor der lebendigen 
Gegenwart ohne Atem dazustehen. Alles gute und nützliche Dinge, 
aber insgeSamt doch ein unbedeutendes und entbehbrliches Hilfs- 
mittel für den Praktiker, der grübelt und Seufzt, weil er heute nicht 
weiß, wie er morgen einen Seiner Schwererziehbaren behandeln, wie 
er einer vom vSchickgal gezeichneten Jugend helfen Soll. Klar kam 
zum Ausdruck: Was wir für den Alltag brauchen, ist Seelische Schwung- 
kraft, Mut zur Weiterarbeit trotz unüberwindlich erscheinender Schwierig- 
keiten, das Gefühl der Gemeinschaftsverbundenheit mit Gleichkämpfenden 
und Gleichleidenden! Das alles können die fremdwörterfüchgenden 
SyStematiker niemals geben. Helfen können der Jugend nur, das ist 
auch auf dieser Tagung wieder klar geworden -- die Freunde der 
Jugend, die ihr nachgehen auf ihren Wegen, ihre Seele zu verstehen 
verguchen, in aller Kümmernis und Dumpfheit, und die da eingreifen, 
mit Sicherem Takte, wo es Not tut, ohne Rücksicht auf Althergebrachtes, 
das, mit dem Ktikett „Bewährt! vergehen, Anspruch auf Kwigkeits- 
geltung erhebt.“ Nur auf diesem Boden keimen die Gedanken und 
nur auf ihm wachgsen die MengSchen, die uns vorwärts, d. h. für den 
Strafanstaltserzieher: dem Zögling näher bringen. 80 kann die geeignete 
Hrzieherpersönlichkeit eigenartige Menschen bewahren und ihnen helfen. 
Für die heilpädagogische Arbeit in der Strafanstalt Schienen mir 
die Vorträge von Magistratsschulrat Arno Fuchs, Schwererziehbare 
Kinder in der Normalschule, Rektor H. Koch, Die Anusbildung der 
Sondergchullehrer; Rektor der Berliner Freiluftschule für tuberkulöge 
Kinder, Rich. Bauer, Die Schule als Heilfaktor in der Behandlung 
tuberkulöger Kinder; Univergitätsprofessor Dr. Klapp, Berlin, Das ortho- 
pädische Turnen; Rektor G. Gnerlich, Berlin, Hilfsschulfürgorge vor 
Gericht, unmittelbar von besonderer Bedeutung zu Sein. In engster
	        

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