Full text: Zeitschrift für Kinderforschung - 34.1928 (34)

Jugendstrafvollzug und Heilpädagogik, 217 
Es gilt, in der „notwendig unpädagogischen Atmosphäre des Straf- 
hauges“* eine heilpädagogische Atmosphäre zu Schaffen, in der für den 
gefangenen jungen Menschen eine große Freude lebendig wird, in der 
er Sich „ändert“. Und an diese Zeit Soll er Sich Zeit Seines Lebens 
„heimlich vor gich“ mit einer ungeteilten und unverkümmerten 
Freudigkeit erinnern können und erinnern müggen, als der Zeit, wo 
er in einem Strafhause „in Freudigkeit“ ein anderer wurde. Wir 
können keinen Menschen anders machen, wir können ihm nur helfen, 
das andere zu Sehen. | 
Das Leben in „Freudigkeit“ zeigte die „Heilpädagogische Woche“ 
ihren Teilnehmern in den Berliner KErziehungsanstalten „Grünes Haus“ 
in Tegel (für verlassene Knaben) und Struweshof -- landwirtschaft- 
liches Erziehungsheim. Und daß es „80“ auch geht, besser geht, daß 
es nur 80 geht, bejahten und bekannten freudigen Herzens die Leiter 
dieser großen Ansgtalten, in denen „Schwerstverwahrloste“ erzogen werden 
Sollen, und erzogen werden im Sinne, im Geiste und der Idee des 
Wortes von Hans Surbn, des guten Menschenkenners und Menschen- 
und Volkgerziehers: „Es taugt nichts, nur immer an „Pflichten“ zu 
mahnen; es ist besger, die Pflichten umzuwandeln in „Freuden“!“ 
Wer in einer Welt arbeiten, „erziehen“ Soll, in die von draußen 
immer nur -- und Jetzt lauter denn je -- der Ruf drirgt, daß der 
Welt besser und mehr gedient würde, wenn man diejenigen frühzeitig 
einfach ausrottete, die immer minderwertig bleiben werden, der darf 
die besten --- das Sind die mühgamsten -- Mittel Seiner Arbeit nicht 
Scheuen, der muß in Freude und in der großen Liebe des Pestaluzz 
Schaffen. Er wird aber einen letzten Halt brauchen, und das 1ist Jene 
Goethische Ehrfurcht, die Ehrfurcht vor dem Leben, auch dem, das 
Scheinbar unter uns ist, und die Ahnung von der Heiligkeit dieses 
Lebens, dieser Seele, die auch in der dumpfesten Gestalt von und zu 
Gott ist. Er braucht die Verbindung mit den Menschen und der 
Welt der Heilpädagogik.
	        

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