Full text: Zeitschrift für Kinderforschung - 34.1928 (34)

Geschwisterschaft, Schnltüchtigkeit und Charakter. 29 
6. AnalysSe einer NiedersSchrift über das Thema: 
„Kann ich mit mir Selbst zufrieden Sein?“ 
Über das Verfahren, das bei Sammlung dieser Niederschriiten 
beobachtet wurde, ist oben berichtet worden. * Es Sei daran er- 
innert, daß die Jugendlichen zum Schluß ein Gesamturteil über 
Sich Selbst abzugeben hatten, das in eine der drei Formen: 
Ich bin mit mir Selbst Sehr zufrieden (im folgenden = 82), 
ich bin mit mir Selbst ziemlich zufrieden (im folgenden = 22), 
ich bin mit mir gelbst nicht zufrieden (im folgenden == 12), 
zu 1Ta8Sen War. 
Es bedarf keiner langen Begründung, daß provozierte Selbst- 
darstellungen dieger Art keine Photographien der Sie verfasSenden 
Pergönlichkeiten Sind. Schon zwisSchen dem, wie man wirklich ist, 
dem Selbstsein, und dem, wie man Ssich Selbst erscheint, dem 
Selbstbilde, klafft ein Abgrund. Ein zweiter zwischen dem, 
was man von gich gSelbst zu wisSgen meint, und dem, wie man Sich 
für fremde Augen Sschildert, zwisSchen Selbstbild also und Selbst- 
darstellung. Wir können also aus den bier vorliegenden 
Äußerungen der Jugendlichen nicht unmittelbar auf ihr Be- 
Schaffengein Schließen. 
Ferner ist auch ohne weiteres klar, daß Kinder im Alter von 
10-12 Jahren unter der „Zufriedenheit mit Sich Selbst“ und über- 
haupt unter dem „„Selbst“ etwas ganz anderes verstehen als Er- 
wachgene oder auch Schon viele 13--16 Jährige. Sie Schauen 
(meist) noch mit allem Bewußtsein auf die Welt ringsum, erleben 
„naiv“, Sind in „sympSsychischer“ SeelenverfasSung. Das 
„Selbst“ hat für gie keinen irgendwelchen anderen Sinn, als daß 
Sie an den eigenen Körper denken. Anders der gebildete Erxr- 
wachgene, der mit dem Selbst Sein eigenes Bewußtseinsleben, in 
zweiter Linie den eigenen Körper meint. Er erlebt Sich Selbst, Sein 
Hoffen und Fürchten, Lieben und Hassen, Fragen und Suchen, im 
Zustande des „Selbstbewußtseins“ mit, erlebt also „reilek- 
tiert“, iSt in „LiapSsychischer“ Seelenverfassung. Das muß 
SOwohl in den Selbstdarstellungen wie in den Selbstbeurteilungen 
zum Ausdruck kommen. Im Alter der Sympsychie ist alles Reden 
über Sich gelbst: mehr Ausdruck der vorhandenen Gemütslage, im 
1 Wenn auch das Folgende für Sich verständlich ist, möchte ich doch 
zur Ergänzung und Beurteilung des hier Mitgeteilten auf meine Unter- 
Suchung „Die Jugend im eigenen Urteil“, Langengalza 1926, hin- 
wei3en.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.