Full text: Zeitschrift für Kinderforschung - 34.1928 (34)

30 A. Busemann: 
Alter der Diapsychie mehr wirkliche Darstellung derselben. 
Reine velbstdarstellung und Selbstbeurteillung freilich, in die Sich 
das urteilende Ich nicht mit Seiner Stimmung einmischte, wird es 
kaum geben. Es ist unmöglich, Angeklagter, Richter, Verteidiger 
und vStaatsanwalt in einer PerSon zu Sein, Ohne daß es zu Un- 
gerechtigkeiten käme. 
Es Scheinen in dieser Weise der Ausdeutung unsgeres Materials 
enge (Grepzen gezogen zu Sein, und in der Tat müssen wir uns 
hüter, mehr aus ihm herauszulesgen, als was die mitgeteilten 
Bedenken noch erlauben. Aber bei näherer Betrachtung ist dies 
nicht wenig. Grade die Entwicklung der Reflektion in der Jugend 
erlaubt, Formen der vSelbstdarstellung zu unterscheiden, die hohen 
charakterologischen Wert haben, ohne daß die Gefahr besteht, 
Äußerungen der Jugendlichen zu mißdeuten oder in ihrem Wahr- 
heitsgehalt zu überschätzen. Wir können es gänzlich dahingesgtellt 
Sein lasSen, ob die Beschreibung des eigenen Körpers, die ein elf- 
"Jähriger Knabe, ein vierzehnjähriges Mädchen gibt, im einzelnen 
der Wirklichkeit gerecht wird --- daß diese Kinder überhaupt den 
eigenen Körper beschreiben, daß Gegsundheit und Schönheit des 
eigenen Körpers ihre Maßstäbe der „Selbstbeurteilung“ Sind, ist 
an Sich im höchsten Maße bedeutsam. Stellen wir uns zum Ver- 
gleich nur die Möglichkeit vor, daß andere, gleichaltrige Kinder 
ihre moralische Beschaffenheit oder ihre GemütsverſasSung zum 
Gegenstande der Selbstdarstellung machen und ihre Zufriedenheit 
nach der Annäherung an ethische Forderungen oder an eine 
Harmonie der Pergönlichkeit bemessen. Von Solcher Ausdeutung 
der Selbstdarstellungen wird man Schwerlich behaupten können, 
daß gie kindlichen Äußerungen einen zu großen Wert beimesse. 
Die Vergleichung der Niederschriften erlaubt nun, ver- 
Schiedene Typen der Selbstdarstellung zu kennzeichnen. 
1 Der Typus nalver Darstellung der Lebens- 
verhältnisse. Dieser Typus Üübergieht gänzlich das „Selbst“ 
im Thema, offenbar weil ihm die Beginnung auf die eigene Be- 
Schaffenheit fern liegt, und Schildert die Verhältnisse, unter denen 
man lebt, Sie als günstig oder ungünstig beurteilend. Angeführt 
wird meist die freundliche Behandlung vou Seiten der Kitern, die 
ausreichende Versorgung mit Kleidung und Nahrung, das Ver- 
hältnis zu Geschwistern und Freunden, die Gewogenheit der Lehrer 
und Lehrerinnen usw. Sehr oft werden Weihnachtsgeschenke und 
andere Geschenke erwähnt, mit denen man zufrieden oder un-
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.